
Brücken-Desaster trotz Milliardenregen: Bund saniert immer weniger!

Trotz eines Sondervermögens von 500 Milliarden Euro hat der Bund 2025 nur noch 157 Autobahnbrücken fertig saniert, 55 weniger als im Jahr davor. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums an die Grünen-Verkehrspolitikerin Swantje Michaelsen hervor, über die der „Spiegel“ berichtet. Das selbst gesteckte Ziel von 400 Brücken pro Jahr ist damit weiter entfernt denn je.
Mehr Geld, weniger Brücken
Eigentlich hätte es aufwärts gehen sollen. Ein Ziel aus der Ampelzeit sieht vor, jedes Jahr 400 Brücken-Teilbauwerke zu modernisieren. Tatsächlich ging es abwärts: 2024 waren es noch 212, im Jahr darauf nur noch 157.
Das Verkehrsministerium begründet den Einbruch mit der vorläufigen Haushaltsführung. Weil nach dem Bruch der Ampel lange kein regulärer Haushalt stand, hätten die Mittel nur eingeschränkt fließen können. Die gesetzliche Grundlage dafür, das Sondervermögen regulär einzusetzen, entstand demnach erst im Oktober 2025.
Dabei war das Geld da. Aus dem schuldenfinanzierten Sondertopf flossen laut dem Bericht 2025 allein rund 2,42 Milliarden Euro in den Erhalt von Brücken und Tunneln an Bundesfernstraßen. Bei den Bauwerken ist davon offenbar wenig angekommen.
Auch 2026 droht die nächste Pleite
Eine Wende ist nicht in Sicht. Im ersten Halbjahr 2026 seien 70 Teilbauwerke fertig geworden, heißt es in der Antwort des Ministeriums. Das ist etwas mehr als im Vorjahreszeitraum. Weitere 100 seien im Bau und sollen bis Jahresende fertig werden.
Unterm Strich wären das 170 Brücken, also weniger als in jedem der Jahre 2022 bis 2024. Schlechter lief es nur im Corona-Jahr 2021 mit 124 Bauwerken. Selbst wenn alles nach Plan läuft, schafft der Bund nicht einmal die Hälfte seines Ziels.
Lüdenscheid zeigt, was auf dem Spiel steht
Michaelsen warnt, viele Tausend Autobahnbrücken müssten dringend saniert werden. Sie erinnerte an die plötzlichen Vollsperrungen der Rahmedetalbrücke und der Bonner Nordbrücke, die für die Menschen in den Regionen dramatische Folgen gehabt hätten.
Die Rahmedetalbrücke an der A45 ist das Paradebeispiel. Im Dezember 2021 wurde sie über Nacht gesperrt, im Mai 2023 gesprengt. Medienberichten zufolge rollten danach täglich bis zu 20.000 Fahrzeuge durch die Lüdenscheider Innenstadt. Erst im Dezember 2025 wurde die erste Hälfte des Neubaus freigegeben, vier Jahre nach der Sperrung.
Neue Geldquellen, alte Probleme
Die Regierung sucht nun nach weiteren Geldquellen. Ein Teil der Brückensanierung soll künftig aus Mitteln kommen, die dem Verteidigungsministerium über die sogenannte Bereichsausnahme zur Verfügung stehen. Gemeint sind Bauwerke, die für Truppenverlegungen verstärkt werden müssen. Die Bundeswehr soll also helfen, die Brücken zu bezahlen.
Außerdem hat das Bundeskabinett am Mittwoch einen Gesetzentwurf beschlossen, nach dem die bundeseigene Autobahn GmbH künftig auch private Kredite aufnehmen darf. Damit entsteht der nächste Schuldenkanal neben dem Sondervermögen, und auch dafür zahlen am Ende die Steuerzahler.
Ob dadurch Planung, Genehmigung und Bau schneller werden, ist offen. Am Geld allein scheint es nicht zu liegen. Michaelsen fordert, alle Neubauprojekte für Autobahnen auf Eis zu legen, bis das Sanierungsprogramm seine Ziele erreicht. Ob ein Baustopp für neue Straßen die Lösung ist, bleibt aber fraglich.
Das eigentliche Problem
Die Zahlen zeigen, wie der deutsche Staat arbeitet: Es werden immer neue Schulden gemacht, doch Verwaltung und Genehmigungsverfahren werden nicht schneller. Kanzler Merz hatte im Wahlkampf versprochen, keine neuen Schulden zu machen. Herausgekommen ist ein Rekordtopf auf Pump, und die Bürger stehen trotzdem vor gesperrten Brücken.
Solange Planungsrecht, Ausschreibungen und Bürokratie nicht entschlackt werden, verschwinden die Milliarden in einem schwerfälligen System. Wer mehr Brücken will, muss die Verfahren beschleunigen, nicht nur mehr Geld ausgeben.
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