
Casino-Warnung vom Chip-Boss: Platzt jetzt die KI-Blase auf Pump?

Ausgerechnet einer der mächtigsten Männer der KI-Industrie warnt jetzt öffentlich vor dem eigenen Boom. Broadcom-Chef Hock Tan sagte am Montag auf einer Konferenz der Großbank DBS in Singapur, viele KI-Anleger verhielten sich eher wie Glücksspieler. Das größte Problem der Branche sei bald nicht mehr der Mangel an Chips, sondern an Geld. Die Börsen reagierten sofort, mit Verkäufen von New York bis Seoul.
„Fast wie im Casino"
Tan führt den Konzern, der als zweitwichtigster KI-Chiplieferant der Welt gilt. Umso drastischer klang, was er sagte. Medienberichten zufolge erklärte er:
„Viele Investoren haben keine Ahnung, worin sie investieren."
Diese Anleger hätten extreme Erwartungen und merkten dann, dass sie sich fast wie in einem Casino befänden. Auch Unternehmen bekamen ihr Fett weg. Sie gingen mit KI-Rechenleistung um wie Kinder in der Spielhalle, so Tan sinngemäß: Zehn Dollar in Münzen seien nach zehn Minuten weg, gelernt habe man nichts.
Den KI-Laboren traut Tan ebenfalls nicht ganz. OpenAI komme zwar auf einen hochgerechneten Jahresumsatz von 50 Milliarden Dollar, schreibe wegen der hohen Trainingskosten aber weiter Verluste. Intel-Chef Lip-Bu Tan saß mit auf dem Podium und ergänzte, Hardware bleibe noch zwei bis drei Jahre knapp. Chips werden also knapp bleiben – und das Geld, um sie zu bezahlen, womöglich auch.
Chipwerte im Sinkflug
Die Anleger zogen sofort Konsequenzen. Der Halbleiter-ETF SOXX fiel um 2,6 Prozent. Ein KI-Speicher-Korb von JPMorgan brach sogar um 4,3 Prozent ein, obwohl mehr als 60 Prozent der S&P-500-Werte zulegten. Am Dienstag erreichte der Ausverkauf Asien: Südkoreas Leitindex Kospi rutschte Berichten zufolge um rund sieben Prozent ab. Samsung und SK Hynix verloren jeweils mehr als acht Prozent.
Tan war allerdings nicht der einzige Grund. Analysten verwiesen auch auf drohende Engpässe bei der Stromversorgung, auf Schlagzeilen aus dem Nahen Osten und auf Fortschritte des chinesischen Speicherherstellers CXMT. Weil die Anleihemärkte feiertagsbedingt geschlossen waren, war zudem kaum Handel. Bei so wenig Umsatz fallen Kursbewegungen oft heftiger aus.
Der Lieferant als Geldgeber
Brisant ist vor allem, wer hier warnt. Medienberichten zufolge verhandelt Broadcom über eine Chip-Finanzierung für OpenAI von mehr als 50 Milliarden Dollar. Hinzu kämen 60 Milliarden Dollar für Anthropic und eine 35-Milliarden-Plattform namens „Big Sky" mit Apollo und Blackstone. Insgesamt geht es um rund 145 Milliarden Dollar.
Kritiker sehen darin einen Kreislauf: Der Lieferant organisiert das Geld, mit dem seine Kunden dann seine eigenen Chips kaufen. Ähnliches gab es schon im Telekom-Boom um das Jahr 2000. Damals gaben Netzwerkausrüster wie Lucent ihren Kunden Kredite, damit diese bei ihnen einkaufen konnten. Wie das endete, ist bekannt. Die Investmentbank Jefferies warnt nun vor „massiver Kapitalvernichtung". Zwei KI-Labore, die noch Verluste schreiben, stünden für die Hälfte eines Auftragsbestands von 2,3 Billionen Dollar.
Die Anleihemärkte schlagen Alarm
Die Gläubiger werden bereits nervös. Laut Goldman Sachs erreichten die fünfjährigen Kreditausfallversicherungen (CDS) für Broadcom zuletzt einen Rekord von 136 Basispunkten, mehr als dreimal so viel wie im Mai. CDS sind eine Art Versicherung gegen einen Zahlungsausfall; je höher der Preis, desto größer gilt das Risiko. Bei Oracle lag der Wert bei 261 Punkten. Dazu passt, dass der von Nvidia unterstützte Rechenzentrumsbetreiber Firmus seinen Börsengang über 5,5 Milliarden Dollar abgesagt hat. DBS-Chefin Tan Su Shan sagte, der Markt bewerte die Risiken der KI-Finanzierung gerade neu.
Wer gewinnt am Ende?
Die Aktien halten vor allem Anleger mit hohem Risiko, die Anleihen bewerten Gläubiger, die immer vorsichtiger werden. Optimisten bei JPMorgan rechnen trotzdem mit weiter steigenden Chipwerten. Aus Sicht unserer Redaktion lohnt es sich, eher dem Anleihemarkt zuzuhören. Im Casino gewinnt am Ende die Bank – unklar ist nur, wer hier die Bank ist.
Wer sein Vermögen nicht auf Kredit-Wetten und geschönte Umsatzzahlen bauen will, findet Halt in Sachwerten. Physisches Gold und Silber haben kein Ausfallrisiko eines Schuldners und sind keine Wette auf das Versprechen eines KI-Labors. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie helfen, Vermögen in unruhigen Zeiten zu sichern.
Hinweis: Dieser Beitrag dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Er ist keine Aufforderung, Wertpapiere, Edelmetalle oder andere Anlagen zu kaufen oder zu verkaufen. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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