
Einwanderungs-Flop: Nur 4 Prozent der Firmen holen Nicht-EU-Personal!

Die Politik hat jahrelang die Werbetrommel für die Fachkräfteeinwanderung gerührt. In den Betrieben kommt davon kaum etwas an. Laut der aktuellen Stellenerhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben im dritten Quartal 2025 nur rund vier Prozent aller deutschen Betriebe angegeben, in den zwölf Monaten davor Personal direkt aus einem Land außerhalb der EU eingestellt zu haben.
Auch wenn man nur die Unternehmen betrachtet, die aktiv Mitarbeiter gesucht haben, wird das Bild kaum besser: Hier liegt der Anteil bei gerade einmal sechs Prozent.
Der Mittelstand bleibt außen vor
Die Zahlen zeigen deutlich, wer Personal aus Drittstaaten anwirbt. Von den Kleinbetrieben mit weniger als 20 Beschäftigten waren es nur zwei Prozent. Bei Firmen mit 50 bis 249 Mitarbeitern stieg der Anteil auf zwölf Prozent, bei Großunternehmen ab 250 Beschäftigten auf 16 Prozent.
Das ist bemerkenswert. Der Handwerksbetrieb um die Ecke, der Familienbetrieb auf dem Land und der kleine Mittelständler bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sie haben weder eine eigene Personalabteilung noch eine Rechtsabteilung, die sich durch Visumsverfahren kämpfen könnte. Wer keine Kapazitäten für Papierkram hat, verzichtet eben auf Bewerber aus dem Ausland.
Bürokratie als größte Hürde
Am deutlichsten wird das bei den Betrieben, die schon Erfahrung mit Anwerbung aus Nicht-EU-Staaten haben. Ganze 64 Prozent von ihnen nennen laut IAB Probleme mit Behörden als größtes Hindernis. Dahinter folgen Sprachbarrieren mit 36 Prozent und Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Abschlüssen mit 23 Prozent.
Dabei sollte genau das längst gelöst sein. Ab 2023 trat das sogenannte Fachkräfteeinwanderungsgesetz 2.0 schrittweise in Kraft, und es versprach weniger Formalitäten und schnellere Verfahren. Wenn fast zwei Drittel der Praktiker trotzdem vor allem über Ämter klagen, stellt das dem Gesetz kein gutes Zeugnis aus. Ein neues Gesetz macht eben noch keine schnelle Verwaltung.
Warum viele Betriebe gar nicht erst suchen
Unternehmen mit Personalbedarf, die bewusst nicht im Ausland suchen, nennen andere Gründe. 46 Prozent verweisen auf Sprachbarrieren. 35 Prozent sagen, es gebe genug Arbeitskräfte im Inland. 29 Prozent fällt es schwer, ausländische Qualifikationen richtig einzuschätzen.
Trotzdem sind die Betriebe grundsätzlich offen. 57 Prozent würden Bewerber aus Drittstaaten auch ohne formell anerkannten Abschluss einstellen. 24 Prozent knüpfen das an passende Berufserfahrung, 19 Prozent würden es ohne Bedingungen tun. Am Willen der Arbeitgeber liegt es also offenbar nicht.
Ein Arbeitsmarkt, der nicht zusammenpasst
Ein Grund dafür dürfte die schwache Konjunktur sein. Laut IAB gab es im ersten Quartal 2026 bundesweit nur noch rund 1,15 Millionen offene Stellen, etwa acht Prozent weniger als im Vorquartal. Auf 100 offene Stellen kamen im Schnitt 264 Arbeitslose. Die Forscher sprechen von einer Nachfrage nach Arbeitskräften, die auf niedrigem Niveau stagniert.
Auffällig ist auch, wie schlecht Angebot und Nachfrage zusammenpassen. Ende 2025 setzten nur 24 Prozent der offenen Stellen keinen Berufsabschluss voraus. Gleichzeitig suchte fast die Hälfte der Arbeitssuchenden, rund 2,23 Millionen Menschen, ausschließlich eine Helfertätigkeit. Gesucht werden Fachkräfte, verfügbar sind vor allem Helfer.
Unser Fazit: Erst die Verwaltung reformieren
Die Studie trifft die Fachkräftestrategie der Bundesregierung empfindlich. Bessere Gesetze helfen wenig, solange Ämter überlastet sind, Anerkennungsverfahren sich über Monate ziehen und kleine Betriebe von Formularen erdrückt werden.
Aus Sicht unserer Redaktion wäre es Aufgabe der Regierung unter Friedrich Merz, zuerst die eigene Verwaltung in Ordnung zu bringen, bevor sie über weitere Zuwanderungswege spricht. Dazu gehören schlanke Verfahren, digitale Behörden und eine bessere Ausbildung im Inland. Die deutsche Wirtschaft braucht Ergebnisse, keine neuen Gesetzespakete.
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