
Eiszeit-Gipfel in New York: Wadephul trifft Lawrow – und erntet Spott

Mehr als vier Jahre lang hatte kein deutscher Außenminister mit Russlands Chefdiplomaten unter vier Augen gesprochen. Am Rande der UN-Generalversammlung in New York hat Johann Wadephul (CDU) das nun beendet und sich mit Sergej Lawrow getroffen. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus. Nach dem Termin stichelte der Russe öffentlich gegen seinen Gast.
Handschlag vor der Kamera, danach Schweigen
Auf den Bildern russischer Staatsmedien sieht man nur die Begrüßung der beiden Minister. Presse-Statements vor dem Gespräch gab es offenbar keine. Wadephul hielt sich öffentlich auffällig zurück, und das an einem Tag, an dem er für die Bundesregierung auch noch in der UN-Generaldebatte sprechen sollte.
Medienberichten zufolge dauerte das Gespräch gut 20 Minuten. Zu einer Annäherung kam es nicht. Wadephul sagte dem ZDF, man habe intensiv gesprochen, sei sich aber in wesentlichen Punkten natürlich nicht einig geworden.
Lawrows giftige Pointe
Moskaus Außenminister zeigte deutlich, wie wenig er von dem Treffen hielt. Er habe nichts gehört, was Berlin nicht ohnehin täglich öffentlich erkläre, sagte Lawrow nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur. Seinem deutschen Kollegen habe er gesagt:
„Sie hätten mich einfach anrufen und mir sagen können ‚Lesen Sie meine Erklärung‘.“
Das ist diplomatischer Spott, wie ihn Lawrow seit Jahrzehnten pflegt. Auch darüber, wer das Treffen wollte, gibt es zwei Versionen. Laut der Sprecherin des russischen Außenministeriums ging die Initiative von Deutschland aus. Lawrow sagte, Berlin habe erst am Vortag und in „letzter Minute“ angefragt. Am Rande der UN-Tagung war dagegen zu hören, Lawrow habe über Drittstaaten zuerst Gesprächsbereitschaft signalisiert. Wadephul habe dann zum ersten Mal zugesagt.
Was Wadephul auf den Tisch legte
Aus deutschen Delegationskreisen heißt es, der Minister habe Moskau zur Deeskalation aufgefordert. Ein Beispiel sei der Anschlagsversuch in Leipzig Anfang August gewesen. Solche Vorfälle und weitere hybride Angriffe würden Deutschlands Unterstützung für die Ukraine nicht schwächen, habe Wadephul gesagt. Sie belasteten aber das ohnehin schwer beschädigte Verhältnis beider Länder. Von der russischen Führung erwarte er echte Bereitschaft, den Krieg zu beenden.
Schon wenige Tage vorher hatte der CDU-Politiker im UN-Sicherheitsrat deutliche Worte gewählt. Russlands hybride Angriffe gegen die Unterstützer der Ukraine und des Völkerrechts hätten „eine neue Stufe erreicht“, sagte er dort.
Die letzte Begegnung: Baerbock in Moskau
Das letzte bilaterale Treffen dieser Art gab es im Januar 2022. Damals reiste Annalena Baerbock (Grüne) nach Moskau. Wenige Wochen später marschierten russische Truppen in die Ukraine ein. Seitdem saßen deutsche und russische Vertreter zwar bei internationalen Konferenzen im selben Saal. Ein direktes Gespräch der Außenminister gab es aber nicht mehr.
Einordnung: Reden ist richtig, doch Berlin wirkt schwach
Dass Deutschland wieder direkt mit Moskau spricht, ist grundsätzlich vernünftig. Wer Kriege beenden will, muss mit der Gegenseite reden, auch wenn das unangenehm ist. Viele Bürger dürften sich allerdings fragen, warum Berlin dafür mehr als vier Jahre gebraucht hat und warum es nun ausgerechnet ein 20-minütiger Termin war, den Lawrow anschließend genüsslich herunterspielen konnte.
Dazu kommt ein Bild, das die Bundesregierung nicht gut aussehen lässt. Kanzler Friedrich Merz hatte seine Reise zur UN nach Medienberichten abgesagt, weil nach schwierigen Landtagswahlen der Druck zu Hause gewachsen ist. Andere Europäer verhandeln derweil selbst mit Washington über Lösungen für die Krisen. Deutschland ist die größte Volkswirtschaft Europas, spielt in dieser Runde aber nur eine Nebenrolle. Für ein Land, das unter hohen Energiepreisen, schwachem Wachstum und wachsenden Sicherheitsrisiken leidet, ist das zu wenig.
Das Treffen in New York hat gezeigt, dass wieder geredet wird. Es hat aber auch gezeigt, wie weit Berlin und Moskau voneinander entfernt sind. Ob daraus ein Weg zu Verhandlungen wird oder das Treffen eine Randnotiz der Diplomatie bleibt, ist offen.
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