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18.10.2026
14:32 Uhr
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Frankreich brennt – und deutsche Medien sprechen von „Jugendrevolte“

Frankreich brennt – und deutsche Medien sprechen von „Jugendrevolte“
Symbolbild: KI-generiert

Rund 1.800 Festnahmen, mehr als 500 verletzte Einsatzkräfte, ein 143 Jahre altes Rathaus in Flammen: Frankreich hat am Samstag eine der schlimmsten Krawallnächte seit Jahren erlebt. Paris will die Täter jetzt hart verfolgen. In Teilen der deutschen Berichterstattung klingt die Lage dagegen erstaunlich anders.

Eine Nacht der Zerstörung

Was mit Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und marode Schulen begann, kippte mit Einbruch der Dunkelheit. Vermummte setzten in Limoges das historische Rathaus in Brand. Nach Angaben des örtlichen Präfekten sei das Gebäude weitgehend verloren, er sprach von einer Katastrophe für das kulturelle Erbe. Medienberichten zufolge stürzte sogar der Uhrturm ein.

In Bordeaux verwüsteten Randalierer die Residenz der Präfektin. In Lyon brannte das Tourismusbüro. In Marseille stürmten Schwarzgekleidete das Rathaus und sprühten ein „A“ für Anarchie an die Wand. Auch in Paris wurden Geschäfte geplündert und Polizisten angegriffen. Wie französische Medien berichten, starb nördlich der Hauptstadt ein Demonstrant nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand.

Paris spricht Klartext

Die französische Regierung macht sich keine Illusionen. Das Innenministerium sprach von gezielten Angriffen radikaler linker Gruppen auf staatliche Einrichtungen, dazu kämen Plünderer, die die Demonstrationen ausgenutzt hätten. Premierminister Sébastien Lecornu machte laut Berichten die „Ultralinke“ verantwortlich. Und: Die Mehrheit der zunächst Festgenommenen sei volljährig gewesen.

Innenminister Laurent Nuñez kündigte an, man werde die Täter finden und mit aller Härte gegen sie vorgehen. Präsident Emmanuel Macron wollte sich am Sonntagabend im Fernsehen an die Nation wenden.

Die deutsche Lesart: Sozialprotest statt Gewalt

Wer am selben Abend deutsches Fernsehen sah, bekam teils einen anderen Eindruck. Ein WDR-Korrespondent sprach in der „Aktuellen Stunde“ von einer „echten Jugendrevolte“. Als das Studio nachfragte, wer hinter den Krawallen stecke und ob es tatsächlich Schüler seien, lautete seine Antwort: „Ich kann die nicht einzeln fragen, wer noch zur Schule geht.“ Für viele Gebührenzahler dürfte das wenig erhellend sein.

Das ZDF stellte in „heute“ die sozialen Anliegen in den Vordergrund. In der Anmoderation hieß es, Zehntausende hätten gegen Ungleichheit und hohe Preise demonstriert – „einige“ hätten das für Plünderungen genutzt. Die Reporterin vor Ort ergänzte, die Polizei reagiere „mit Härte“.

Die Polizei als eigentliches Problem?

Noch weiter gingen Teile der Printpresse. Die „Zeit“ beschrieb in einer Analyse eine „brachial auftretende Polizei“, die es nie verstanden habe, Lagen zu entschärfen. Zwar räumte das Blatt ein, die Gewalt habe das übliche Maß überstiegen. Unmittelbar danach folgte aber der Hinweis, die Demonstranten hätten „legitime Gründe“.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte den Behörden bereits am 8. Oktober vorgeworfen, auf „Schülerproteste“ „mit Härte statt mit der gebotenen Empathie“ zu reagieren. Der „Spiegel“ titelte am 13. Oktober, Frankreich habe ein Gewaltproblem – „und das fängt bei der Polizei an“.

Wer erklärt hier eigentlich was?

Niemand bestreitet, dass viele Franzosen unter Inflation, teurem Sprit und kaputten Schulen leiden. Hunderttausende demonstrierten friedlich. Doch ein niedergebranntes Rathaus ist kein Sozialprotest. Es ist Zerstörung von Gemeingut, das Generationen aufgebaut und finanziert haben.

Aus Sicht unserer Redaktion ist es bemerkenswert, wie schnell Teile der deutschen Medien die Verantwortung zu den Sicherheitskräften verschieben, während die französische Regierung selbst von organisierter linksextremer Gewalt spricht. Wer verletzte Polizisten nur am Rande erwähnt, die Täter aber als „Jugendliche“ beschreibt, zeichnet nach Ansicht von Kritikern kein vollständiges Bild.

Für Deutschland ist das mehr als eine Randnotiz. Auch hierzulande wachsen der Frust über die Lebenshaltungskosten und die Sorge um die innere Sicherheit. CDU-Innenpolitiker warnen Medienberichten zufolge bereits vor „französischen Verhältnissen“. Eine ehrliche Debatte darüber setzt eines voraus: dass man Gewalt zuerst einmal Gewalt nennt.

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