
Geheimmission in Moskau: CIA-Chef fliegt ein – Putin unterschreibt im Dunkeln

Ein US-Militärtransporter landet in Moskau, an Bord offenbar der Chef des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes. Rund vier Stunden bleibt CIA-Direktor John Ratcliffe am Dienstag in der russischen Hauptstadt – dann hebt die Maschine wieder ab. Fast zeitgleich setzt Kremlchef Wladimir Putin seine Unterschrift unter mehrere Dekrete. Drei davon: geheim.
Sieben Erlasse – vier sichtbar, drei im Verborgenen
Berichten unter Berufung auf ein russisches Rechtsportal zufolge zeichnete Putin am 25. August die Dekrete mit den Nummern 608, 609 und 610. Der Inhalt wirkt bürokratisch unspektakulär: zwei betreffen die Ablösung des russischen Botschafters im Irak, eines die Zusammensetzung von Kommissionen für Behinderte und Veteranen.
Die Nummern 605, 606 und 607 dagegen fehlen in der öffentlichen Datenbank. Was in ihnen steht, weiß außerhalb des Kremls niemand. Ob sie überhaupt mit dem Besuch aus Washington zu tun haben, ist reine Spekulation – ein Zusammenhang ist bislang durch nichts belegt.
Bemerkenswert ist ein weiterer Erlass vom Vortag: Dekret Nummer 604 ermächtigt dem Bericht zufolge den russischen Staat, die vorübergehende Verwaltung nahezu beliebiger Anlagen und Unternehmen zu übernehmen, sofern deren Eigentümer keinen ausreichenden Schutz gegen Drohnenangriffe nachweisen. Ein Satz mit gewaltiger Reichweite – und ein Lehrstück darüber, wie schnell Eigentum im Krieg zur Verhandlungsmasse des Staates wird.
Traf Ratcliffe den Präsidenten? Zwei Versionen, ein Widerspruch
Die Moscow Times berichtet, Putin habe Ratcliffe persönlich empfangen und dafür einen anderen Termin abgesagt, auf den sich einem Kreml-Korrespondenten zufolge „Hunderte von Menschen“ vorbereitet hätten. Der Kreml widerspricht.
„Ich kann Ihnen nur sagen, dass es Kontakte über die Geheimdienste gab. Ich kann Ihnen sagen, dass es keine Treffen mit dem russischen Präsidenten gab.“
So zitiert die Agentur Interfax Präsidentensprecher Dmitri Peskow. Putin werde aber „umgehend über alles informiert“; Kontakte zwischen Geheimdiensten seien „an sich ein positives Phänomen“. Wer hier die Wahrheit sagt, lässt sich derzeit nicht überprüfen.
Warnung, Deal oder Vorbereitung eines Gipfels?
Das Wall Street Journal berichtet, Ratcliffe könnte Putin mit US-Geheimdiensterkenntnissen konfrontiert haben – Hinweise auf eine neue Mobilisierungsrunde und eine mögliche Provokation gegen die Nato. Eine frühere US-Vizegeheimdienstkoordinatorin umschrieb die mögliche Botschaft gegenüber dem Blatt sinngemäß so: Man wisse, was geplant sei, und man solle es besser lassen.
Der historische Vergleich sitzt: Im November 2021 reiste der damalige CIA-Chef William Burns nach Moskau und warnte vor dem Einmarsch in die Ukraine. Bekanntlich vergeblich.
Andere Deutungen kursieren ebenfalls. Das britische iPaper bringt die Reise mit einem möglichen Gefangenenaustausch in Verbindung – nach den Freilassungen von Marc Fogel, Evan Gershkovich und Paul Whelan sowie zuletzt des früheren US-Marines Robert Gilman Anfang August. Ein russischer Generalmajor sagte russischen Medien, es könne um die Vorbereitung eines Treffens von Donald Trump und Putin gehen; auffällig sei, dass diesmal nicht die bisherigen Unterhändler reisten. Auch der Iran-Konflikt gilt als denkbares Thema. Trump selbst nannte die Reise am Mittwoch „weitgehend routinemäßig“.
Was Anleger daraus mitnehmen sollten
Für Europa ist das unbequem: Über die Köpfe der EU hinweg reden Washington und Moskau direkt – während Berlin und Brüssel bestenfalls aus der Zeitung erfahren, was besprochen wurde. Geopolitische Unsicherheit hat Preisschilder. Physisches Gold und Silber gelten historisch als Versicherung gegen genau solche Phasen, in denen Entscheidungen hinter verschlossenen Türen fallen – als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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