
Katar im Würgegriff: Staatseinnahmen brechen um 42 Prozent ein!

Jetzt gibt es die offizielle Zahl zum Desaster. Katars Staatseinnahmen sind im ersten Halbjahr 2026 um 42 Prozent eingebrochen. Das gab Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani am 13. Oktober in Doha bekannt, als er die jährliche Sitzung des Schura-Rats eröffnete. Der Grund sind der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus. Sie haben einen der größten Flüssiggas-Exporteure der Welt fast vollständig vom Markt abgeschnitten.
Ein Defizit, das alle Planungen sprengt
Auch die Staatsausgaben sanken in diesem Zeitraum um 14 Prozent. Laut dem Emir sei es nur natürlich, dass die Krise auf die öffentlichen Finanzen durchschlage. An grundlegenden Leistungen für die Bürger und an den Entwicklungszielen wolle die Regierung dennoch nicht rütteln. In den kommenden fünf Jahren seien Projekte und Investitionen im Umfang von rund 221 Milliarden Riyal (etwa 60,7 Milliarden Dollar) geplant.
Wie schnell das Haushaltsloch wächst, zeigen die Quartalszahlen des Finanzministeriums. Im zweiten Quartal standen Einnahmen von 25,6 Milliarden Riyal Ausgaben von 46,8 Milliarden gegenüber. Das ergibt ein Minus von 21,2 Milliarden Riyal und damit etwa doppelt so viel wie im ersten Quartal. Nach sechs Monaten summiert sich das Defizit auf rund 31,5 Milliarden Riyal. Das ist schon jetzt das 1,4-Fache dessen, was für das gesamte Jahr 2026 eingeplant war.
Ein Jahr zuvor lag das Quartalsdefizit noch bei bescheidenen 800 Millionen Riyal. Der Haushalt war im Dezember mit einem Ölpreis von 55 Dollar je Barrel kalkuliert worden. Von solchen Annahmen ist heute nichts mehr übrig.
Ras Laffan: Das Herz der Gasindustrie getroffen
Anfang März legte ein iranischer Drohnenangriff den gigantischen Gaskomplex Ras Laffan lahm. Der Staatskonzern QatarEnergy stoppte die Produktion und berief sich gegenüber seinen Kunden auf höhere Gewalt. Spätere Raketenangriffe zerstörten zwei der 14 Verarbeitungsanlagen und damit 17 Prozent der Exportkapazität, also 12,8 Millionen Tonnen pro Jahr.
Die Reparatur soll nach Angaben des Konzerns drei bis fünf Jahre dauern. Der Einnahmeausfall wird auf rund 20 Milliarden Dollar jährlich geschätzt. Medienberichten zufolge wurden die sogenannten „Cold Boxes“ zerstört, ohne die sich Erdgas nicht zu Flüssiggas herunterkühlen lässt. QatarEnergy-Chef Saad al-Kaabi stellte klar, dass ein Neustart nur möglich sei, wenn zuerst die Kämpfe enden.
Kaum noch Gas auf dem Weltmarkt
Im September exportierte Katar 1,6 Millionen Tonnen LNG. Das ist weniger als ein Viertel der Mengen vor dem Krieg, und ein Drittel davon ging an Kuwait, blieb also in der Golfregion. Für Oktober rechnet das Datenunternehmen Kpler nur noch mit 0,6 Millionen Tonnen. Vor der Küste warten mindestens zwölf leere Tanker auf eine Chance, die Straße von Hormus zu passieren.
Europa zahlt die Rechnung mit
Der italienische Versorger Edison hat seit April 35 Lieferungen verloren. QatarEnergy hat die Aussetzung inzwischen bis Anfang Dezember verlängert. Der französische Energieriese EDF legte deshalb laut Berichten den geplanten Verkauf seiner Edison-Beteiligung auf Eis. Edison-Chef Nicola Monti hofft auf neue Lieferungen Anfang 2027, räumt aber ein, dass es derzeit keinerlei Planungssicherheit gebe.
Für Deutschland ist das eine Warnung. Wer seine Energieversorgung auf wenige Lieferanten in Krisenregionen stützt, macht sich erpressbar. Diese Lektion hätte Berlin eigentlich schon nach 2022 lernen müssen.
Schulden statt Gasmilliarden
Doha hat sich inzwischen wieder Geld am Anleihemarkt besorgt. Im September platzierte das Emirat Anleihen über drei Milliarden Dollar, die Nachfrage lag bei mehr als 7,7 Milliarden. Der Internationale Währungsfonds erwartet für dieses Jahr einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 15,6 Prozent. Für 2027 sagt er eine Erholung um 18,8 Prozent voraus, allerdings nur, wenn die Straße von Hormus wieder öffnet.
Das Beispiel Katar zeigt, wie schnell selbst ein Musterschüler mit hohen Reserven und niedrigen Schulden in Not geraten kann. Ein einziger Krieg genügt. In solchen Zeiten setzen viele Anleger auf physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio, weil Edelmetalle keine Pipeline, keinen Tanker und kein Zahlungsversprechen eines Staates brauchen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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