
Kims neue Hyperschall-Rakete: „Unheilbare Kopfschmerzen“ für den Feind

Nordkorea hat am Sonntag, dem 20. September, zwei ballistische Kurzstreckenraketen Richtung Japanisches Meer abgefeuert. Die Staatsmedien sprechen von einer „neuen Waffe“. Machthaber Kim Jong Un soll den Test persönlich überwacht haben, und wie gewohnt schickte er markige Drohungen hinterher.
Laut staatlicher Nachrichtenagentur KCNA werde die neue Waffe dem Gegner „unheilbare Kopfschmerzen“ bereiten und ihm einen „sehr grausamen und unvermeidlichen Schlag“ versetzen. Das klingt nach Propaganda. Ganz abtun sollte man es trotzdem nicht.
Was steckt hinter der „neuen Waffe“?
Zu Details schwieg sich Pjöngjang bewusst aus. Kim sagte lediglich, der Feind werde „ohne jede Erklärung“ besser wissen, was dieser Fortschritt bedeute. Die Auswertung der veröffentlichten Fotos durch das auf Nordkorea spezialisierte Portal NK News aus Seoul ergibt aber ein klareres Bild: Offenbar handelt es sich um eine Kurzstreckenrakete mit Hyperschall-Gleitflugkörper.
Warum ist das brisant? Hyperschallwaffen fliegen mindestens mit fünffacher Schallgeschwindigkeit. Anders als klassische ballistische Raketen, deren Bahn sich berechnen lässt, können sie im Flug manövrieren. Für Abwehrsysteme ist das der Albtraum schlechthin: Wer nicht weiß, wohin das Geschoss fliegt, kann es kaum abfangen.
Nordkoreas Zahlen und die Zweifel daran
Auf einem Bildschirm, vor dem Kim mit seiner jungen Tochter posierte, war dem Bericht zufolge die Bezeichnung „Hwasong-11E-1“ zu lesen. Angezeigt wurden auch Flugdaten:
- Flugstrecke: rund 908 Kilometer
- Flughöhe: etwa 35,8 Kilometer
- Geschwindigkeit: 2.146 Meter pro Sekunde, also gut das Sechsfache der Schallgeschwindigkeit
- Flugdauer: 445 Sekunden
Seoul und Tokio kommen allerdings auf andere Werte. Das japanische Verteidigungsministerium meldete zwei Starts nahe der Hafenstadt Wonsan, mit 440 und 590 Kilometern Reichweite. Hyperschall-Manöver hätten weder Südkorea noch Japan erwähnt. Experten zweifeln schon länger, ob Pjöngjang wirklich einsatzfähige Hyperschallsysteme besitzt. Ein südkoreanischer Forscher sprach nach einem früheren Test im Januar von einem „Quasi-Hyperschall-Flugkörper“.
Diplomatie? Fehlanzeige
Die Frequenz der Tests steigt stetig. Erst am 12. September hatte Nordkorea medienberichten zufolge vom selben Strand aus Raketen und Drohnen in einer Angriffsübung eingesetzt. Die Vorgängerversion der Waffe zeigte das Regime im Oktober 2025 bei einer Militärparade.
Während Trumps erster Amtszeit traf sich Kim mehrfach mit dem US-Präsidenten. Die Bilder waren historisch, eine atomare Abrüstung brachten sie nicht. Das Weiße Haus deutet an, wieder direkt mit Pjöngjang verhandeln zu wollen. Doch Nordkorea tobt über die jüngsten gemeinsamen Manöver der USA und Südkoreas. Südkoreas Präsident Lee Jae Myung warb zeitgleich vor den Vereinten Nationen für eine „friedliche Koexistenz“. Die Antwort aus Pjöngjang kam per Rakete.
Warum das auch Europa betrifft
Wer glaubt, Korea sei weit weg, irrt. Seit Ende 2023 setzt Russland Analysen zufolge nordkoreanische Raketen vom Typ Hwasong-11A gegen die Ukraine ein. Diese Waffen sollen immer präziser und schwerer abzufangen sein. Jeder Test in Asien ist damit auch ein Waffentest für den Krieg in Europa. Und Berlin? Die Bundesregierung verteilt Milliarden für Sondervermögen. Eine überzeugende Antwort auf die neue Generation von Raketen hat sie bislang nicht geliefert.
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