
Kinder plündern Paris: Wenn Zehnjährige die Post ausräumen!

In der Nacht zum Sonntag ist Paris im Chaos versunken. Bei den schweren Krawallen am Samstag sollen auch Kinder im Grundschulalter Geschäfte geplündert haben. Einer von ihnen war Medienberichten zufolge noch keine zehn Jahre alt.
Tatort Postfiliale: Grundschüler als Plünderer
Wie die französische Zeitung Le Monde berichtet, stürmte eine Gruppe sehr junger Randalierer die Postfiliale Arts et Métiers in der Rue Papin im dritten Arrondissement und räumte sie aus. Die Metrostationen in der Umgebung wurden geschlossen. Passanten flohen aus dem Viertel.
Ob die Polizei das Kind identifiziert oder festgenommen hat, ist nicht bekannt. Und genau das ist das Problem: Ein Rechtsstaat, der nicht einmal mehr weiß, welche Grundschüler in seiner Hauptstadt Postämter plündern, hat die Kontrolle verloren. Wer so etwas mit acht oder neun Jahren erlebt, lernt vor allem eins: Es passiert einem nichts.
Luxusboutiquen verwüstet, Autos in Flammen
Die Postfiliale war kein Einzelfall. In weiten Teilen der Stadt flogen Steine in Schaufenster, Geschäfte wurden leergeräumt, Fahrzeuge angezündet. Auch eine Filiale der Luxusmarke Céline an der noblen Avenue Montaigne wurde geplündert, dazu mehrere weitere Modegeschäfte. Die Polizei antwortete mit Tränengas.
Dabei hatte alles anders begonnen. Wie internationale Medien berichten, waren landesweit rund 550.000 Menschen auf die Straße gegangen, davon etwa 110.000 in Paris. Sie protestierten gegen hohe Lebenshaltungskosten und marode Schulen. Hervorgegangen sei die Bewegung aus Schülerprotesten im September. Als die Kundgebungen abends endeten, zogen in Paris vor allem junge Gruppen plündernd und brandschatzend durch die Gassen.
Frankreich brennt – von Limoges bis Bordeaux
Die Bilanz liest sich wie ein Kriegsbericht. In Limoges legten Maskierte Feuer im historischen Rathaus, das 143 Jahre alt ist. Der Präfekt sprach Berichten zufolge von einer „Katastrophe für das Kulturerbe“. In Lyon brannte eine Touristeninformation, in Bordeaux wurde die Residenz der Präfektin verwüstet. Innenminister Laurent Nuñez meldete am Sonntag rund 1.800 Festnahmen und etwa 500 verletzte Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter. Präsident Emmanuel Macron habe angekündigt, die Verantwortlichen zu verfolgen und zu bestrafen.
85 Prozent minderjährig – eine Zahl, die erschreckt
Wirklich alarmierend sind die Zahlen aus der Zeit davor. Bei den vorangegangenen Protesten wurden nach Angaben des französischen Justizministeriums vom 14. Oktober 7.950 Personen in Gewahrsam genommen. 6.773 von ihnen waren minderjährig – das sind 85 Prozent. Gegen 2.190 Minderjährige wurden Strafverfahren eingeleitet.
Justizminister Gérald Darmanin hat die Staatsanwaltschaften angewiesen, hart gegen Gewalttäter vorzugehen. Geprüft werden soll dabei auch, ob die Eltern minderjähriger Tatverdächtiger zivilrechtlich haften. Ein überfälliger Schritt? Viele Bürger dürften sich fragen, warum das nicht längst selbstverständlich ist. Wenn ein Neunjähriger nachts eine Postfiliale plündert, haben Eltern ihre Pflicht verletzt. Erziehung ist zuerst Aufgabe der Familie, nicht des Staates.
Ein Warnsignal auch für Deutschland
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt Paris, wohin es führt, wenn Politik über Jahre Probleme verwaltet statt sie zu lösen. Die Wut über Teuerung und kaputte Schulen mag nachvollziehbar sein. Sie rechtfertigt aber keine einzige eingeschlagene Scheibe und kein brennendes Rathaus. Wenn der Staat nicht einmal mehr Eigentum und öffentliche Gebäude schützen kann, verspielt er sein wichtigstes Versprechen an die Bürger, die ihn mit ihren Steuern finanzieren.
Auch hierzulande meldet die Polizeiliche Kriminalstatistik Rekordwerte, und die Gewalt unter Jugendlichen beschäftigt Polizei und Gerichte. Berlin sollte nach Paris schauen, solange es noch Zeit ist. Konsequente Strafverfolgung, die Eltern in die Verantwortung nehmen und ein Staat, der seine Autorität durchsetzt – darauf kommt es an. Dass Frankreich jetzt wieder auf diese Grundsätze setzt, ist richtig. Es kommt nur sehr spät.
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