
Merkel-Comeback im Schloss Bellevue? Jeder Zweite traut es ihr zu!

Fast fünf Jahre nach ihrem Abschied aus dem Kanzleramt ist Angela Merkel wieder die Nummer eins, zumindest in den Umfragen. Laut einer aktuellen Forsa-Erhebung für RTL und ntv halten 50 Prozent der Deutschen die Altkanzlerin für eine geeignete Bundespräsidentin. Weiter vorn lag sie nie. Nur antreten will sie nicht.
Weit vor der Konkurrenz
Der Abstand zu den übrigen Namen ist groß. Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) kommt auf 36 Prozent, Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf 33 Prozent. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) schafft gerade einmal 28 Prozent.
Interessant ist der Verlauf. Anfang August hatte Forsa für Merkel noch 47 Prozent Zustimmung gemessen, damals hielten sie 48 Prozent für ungeeignet. Aigner lag zu diesem Zeitpunkt bei 26 Prozent, Klöckner bei 20 Prozent. Die Werte steigen also, und zwar für alle Kandidaten.
Die Kanzlerin, die nicht will, aber mitredet
Merkel selbst hat eine Kandidatur mehrfach ausgeschlossen. Ganz still hält sie trotzdem nicht. Erst am Freitag sprach sie sich in einem Interview mit Johannes B. Kerner bei MagentaTV deutlich dafür aus, dass erstmals eine Frau an die Spitze des Staates rückt. Ihr Satz dazu:
„Ich kenne Menschen, die sind schon geboren und die sind weiblich und die könnten's“
Namen nannte sie keine. Die bisherige Debatte über die Steinmeier-Nachfolge nannte sie „seltsam“. Seltsam ist aus Sicht vieler Beobachter allerdings auch, dass ausgerechnet das Geschlecht zum wichtigsten Kriterium für das höchste Staatsamt wird. Schließlich war einer Forsa-Befragung vom August zufolge der Mehrheit der Bürger egal, ob ein Mann oder eine Frau ins Schloss Bellevue einzieht.
Merz legt sich fest, die Union sortiert sich
Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich am Montag festgelegt. Auf einer nicht öffentlichen Konferenz der CDU-Kreisvorsitzenden in Berlin soll er angekündigt haben, eine Kandidatin aus der politischen Mitte vorzuschlagen. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann ergänzte am Dienstag bei RTL/ntv, die Bewerberin solle aus der Union kommen.
Als aussichtsreich gilt vor allem Ilse Aigner. Für sie wirbt CSU-Chef Markus Söder schon seit Monaten, auch mehrere Ministerpräsidenten und SPD-Politiker haben sich für sie ausgesprochen. In der CDU fallen dagegen andere Namen: Julia Klöckner, Bundesbildungsministerin Karin Prien und die hessische Fraktionschefin Ines Claus.
Merkel als Wahlfrau
Eine Pointe hat die Sache noch. Die CDU-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein hat Merkel als Mitglied der Bundesversammlung nominiert. Das Gremium aus allen Bundestagsabgeordneten und ebenso vielen Delegierten der Länder wählt am 30. Januar 2027 das neue Staatsoberhaupt. Frank-Walter Steinmeier darf nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal antreten. Merkel wird also mit abstimmen, auch wenn sie selbst nicht auf dem Stimmzettel steht.
Kurzes Gedächtnis oder echte Sehnsucht?
Bleibt die Frage, warum gerade Merkel so gut abschneidet. Schaut man auf die Zahlen vom Sommer, kommt ihr Rückhalt vor allem aus dem linken Lager: 75 Prozent der Grünen- und 70 Prozent der Linken-Anhänger hielten sie damals für geeignet, unter AfD-Anhängern waren es nur 23 Prozent.
Ihre Kritiker erinnern an die Hypotheken aus 16 Kanzlerjahren: die offenen Grenzen 2015, den überstürzten Atomausstieg nach Fukushima und die Abhängigkeit von russischem Gas. Unter diesen Lasten leiden Industrie und Bürger bis heute. Für viele wirkt der Umfragewert deshalb eher wie Nostalgie nach einer scheinbar ruhigeren Zeit, nicht wie ein nüchternes Urteil über ihre Bilanz. Wer das Land 2027 repräsentiert, sollte nach Leistung und Haltung ausgewählt werden, nicht nach Quote oder Erinnerung.
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