
Öl-Alarm in London: Der Westen hat seine Reserven verbraucht!

Der Chef des weltgrößten unabhängigen Ölhändlers schlägt Alarm. Vitol-CEO Russell Hardy erklärte am 6. Oktober auf dem Energy Intelligence Forum in London, die frei verfügbaren Ölbestände des Westens seien aufgebraucht. Sollten die Lieferungen aus dem Nahen Osten ausbleiben, drohe ein Ölpreis von 200 Dollar je Barrel.
Hardy wählte deutliche Worte:
„Im Westen gibt es keine weiteren Bestände mehr, die wir noch abbauen können. Wir haben die verfügbaren Bestände aufgebraucht.“
Auf dem Papier ist genug da, in der Praxis nicht
Das klingt nach leeren Tanks, gemeint ist aber etwas anderes. Hardy spricht ausdrücklich von den verfügbaren Vorräten. In den offiziellen Statistiken lagern weiter große Mengen Rohöl und Kraftstoffe. Ein großer Teil davon steckt jedoch fest: Raffinerien, Pipelines und Terminals brauchen Betriebsbestände, und die staatlichen Notreserven darf nur die Politik freigeben.
Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Er schätzt die weltweiten kommerziellen Bestände auf knapp sechs Milliarden Barrel. Kurzfristig nutzbar seien davon aber höchstens zehn Prozent. Zusätzlich schränken Lagerort, Ölqualität und Transportwege ein, was sich tatsächlich bewegen lässt.
507 Millionen Barrel seit Februar verbraucht
Die Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) sind eindeutig. Seit Februar sind die weltweit beobachteten Lagerbestände um rund 507 Millionen Barrel geschrumpft, allein im August um 95 Millionen. Seit Beginn des Iran-Kriegs sind das im Schnitt rund 2,8 Millionen Barrel pro Tag.
Die IEA-Staaten haben inzwischen mehr als 300 Millionen Barrel aus ihren Notreserven auf den Markt gebracht. Zum Vergleich: Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 gaben sie in zwei Aktionen zusammen gut 180 Millionen Barrel frei. Die IEA selbst bezeichnet die verbleibenden Reserven als zunehmend begrenzt.
Am Nahen Osten hängt die Versorgung
Laut Hardy verließen zuletzt täglich etwa zwölf Millionen Barrel Rohöl und zwei Millionen Barrel Ölprodukte die Golfregion. Diese Mengen hielten den Markt über den Winter im Gleichgewicht. Medienberichten zufolge beschrieb er den Verlauf des Jahres so: Zuerst habe es eine Rohölkrise gegeben, dann eine Krise bei den Ölprodukten und nun eine Krise in der Schifffahrt. Die Frachtkosten seien so stark gestiegen, dass kaum jemand seine Transportkosten noch auf zwei bis vier Dollar je Barrel genau kalkulieren könne.
Diesel ist besonders knapp
Brent kostete zuletzt rund 98 Dollar je Barrel. Europäische Diesel-Futures lagen laut Berichten etwa 70 Dollar darüber. Hardy zufolge fehlt weltweit Raffineriekapazität. Gründe seien die Angriffe auf die russische Infrastruktur und fünf Monate, in denen Raffinerien im Nahen Osten ausgefallen seien.
Die G7 wollen nun weitere 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel aus ihren strategischen Reserven freigeben. Berichten zufolge kam der Schritt erst, nachdem die USA mit einem Exportstopp gedroht hatten. Wie viel genau aus welchen Quellen kommt, ist noch offen. Die IEA soll Mitte Oktober entscheiden. Die EU-Kommission nennt die Dieselversorgung stabil. Im Raum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen liegen die kommerziellen Bestände allerdings unter dem Fünfjahresdurchschnitt.
Was das für deutsche Verbraucher bedeutet
Zapfsäulen ohne Diesel hat es in Europa nach Hardys Worten bisher nicht gegeben. Für viele Bürger ist das aber nur ein schwacher Trost. Teure Kraftstoffe treffen Pendler, Handwerker, Landwirte und Spediteure, und am Ende landen die Kosten in den Preisen im Supermarkt. In Deutschland verteuert zusätzlich der nationale CO2-Preis jeden Liter Sprit.
Ein neuer Ausfall am Golf hätte unter diesen Bedingungen deutlich stärkere Folgen als zu Jahresbeginn. Denn die Reserven, mit denen der Westen bisher Lieferausfälle ausgeglichen hat, sind nach Hardys Einschätzung weitgehend verbraucht.
Wer sein Erspartes gegen solche Preisschocks und mögliche Inflation absichern will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen in Betracht ziehen. Edelmetalle hängen von keiner Lieferkette ab und sind nicht auf politische Freigaben angewiesen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte sich selbst informieren und trägt für seine Anlageentscheidungen allein die Verantwortung.
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