
Ölrausch für den Kreml: Hormus-Krise beschert Moskau Rekordeinnahmen

Russland verdient mit Öl so viel wie seit Kriegsbeginn nicht mehr. Nach Schätzungen der Nachrichtenagentur Bloomberg verschifften russische Konzerne in der vergangenen Woche Rohöl im Wert von rund 2,75 Milliarden Dollar ins Ausland. Das ist der höchste Wochenwert seit dem Einmarsch in die Ukraine 2022. Möglich macht das ausgerechnet die Krise am Persischen Golf.
Wenn Hormus stockt, klingelt es in Moskau
Der Treiber ist die Straße von Hormus, das Nadelöhr für einen großen Teil des weltweiten Ölhandels. Medienberichten zufolge hält Iran die Meerenge faktisch blockiert. Mitte September legten Drohnenangriffe zudem Saudi-Arabiens Ost-West-Pipeline lahm, über die das Königreich die Blockade umgehen wollte.
Die Folge: Brent kostete im gesamten September mehr als 100 Dollar je Barrel, gegen Monatsende sogar über 103 Dollar. Einige russische Sorten sollen laut Berichten für 110 bis 120 Dollar verkauft worden sein. Wer knapp bei Öl ist, fragt nicht lange nach dem Absender.
Auch China kauft mehr. Peking hat zwar große Reserven angelegt, bestellt nun aber zusätzlich russisches Rohöl. Laut Bloomberg verließen zuletzt täglich rund 3,99 Millionen Barrel russische Häfen. Das waren etwa 180 Millionen Dollar mehr Erlös als in der Vorwoche.
Drohnen treffen Raffinerien, Moskau exportiert eben Rohöl
Die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien wirken auf den ersten Blick wie ein Treffer ins Mark. Die Wirkung ist aber begrenzt. Der Kreml hat den Export von Diesel durch russische Produzenten bis zum 30. September verboten, für andere Exporteure gelten weiter Beschränkungen bei Benzin und manchen Dieselsorten. Das soll den eigenen Markt versorgen.
Das ukrainische Portal UA News beschreibt, was daraus folgt:
„Russland kann nicht mehr so viele Erdölprodukte exportieren wie zuvor, verfügt aber über einen Überschuss an Rohöl, den es im Inland nicht vollständig verarbeiten kann. Folglich wird der Ölüberschuss auf den Auslandsmarkt umgeleitet.“
Moskau verkauft also weniger Sprit und mehr Rohöl. Bei Preisen jenseits der 100 Dollar lohnt sich das trotzdem. Bloomberg weist allerdings darauf hin, dass das Dieselverbot einen Teil der Zusatzgewinne wieder auffrisst.
Kein Strohfeuer: Auch der Monatsschnitt steigt
Eine einzelne Woche sagt wenig. Aufschlussreicher ist der Vierwochenschnitt, weil er kurze Ausschläge glättet. Er lag zuletzt bei rund 2,39 Milliarden Dollar pro Woche. Das sind etwa 290 Millionen mehr als im vorherigen Vierwochenzeitraum und der höchste Wert seit der zweiten Maihälfte. Die Menge stieg laut Bloomberg auf 3,71 Millionen Barrel täglich, so viel wie seit Anfang August nicht mehr.
Das Geld wird gebraucht. Berichten zufolge will Russland seine Militärausgaben um 27 Prozent erhöhen. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte zuletzt, Moskau sei an Friedensgesprächen „überhaupt nicht interessiert“.
Europa zahlt drauf, der Kreml kassiert
Das ist bitter. Seit Jahren verspricht Brüssel, Russlands Kriegskasse mit Sanktionen, Preisdeckeln und Embargos auszutrocknen. Jetzt verdient Moskau Rekordsummen, während Autofahrer, Spediteure und Mittelständler in Deutschland unter hohen Dieselpreisen leiden. Beobachter sehen darin ein weiteres Zeichen, dass Europas Energiepolitik viel ankündigt und wenig erreicht.
Entspannung ist möglich, aber nicht sicher. Wie Reuters berichtet, haben Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Exporte im September gesteigert und mit dem Wiederaufbau beschädigter Anlagen begonnen. Das könnte den Druck vom Markt nehmen. Trotzdem erwarten Fachleute, dass die Ölpreise 2026 und 2027 hoch bleiben.
Was das für Sparer bedeutet
Teures Öl verteuert fast alles, vom Transport bis zum Brötchen. Die Inflation bekommt damit neuen Schub, und das Ersparte verliert an Kaufkraft. Wer sein Vermögen gegen solche Schocks absichern will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen. Edelmetalle haben sich in geopolitischen Krisen immer wieder als stabiler Wertspeicher erwiesen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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