
Raffinerie-Schock: Warum Sprit teuer bleibt, auch wenn Öl billiger wird

Eine neue Analyse der Federal Reserve Bank of Dallas dürfte Autofahrern weltweit nicht gefallen. Laut dem am 8. Oktober veröffentlichten Bericht stehen bis zu 10 Prozent der globalen Raffineriekapazitäten still. Benzin, Diesel und Kerosin könnten deshalb noch monatelang teuer bleiben, selbst wenn sich die Lage in der Straße von Hormus beruhigt.
Nicht nur ein Ölschock, sondern zwei Krisen auf einmal
Viele Verbraucher gehen davon aus, dass die Preise an der Zapfsäule fallen, sobald Rohöl billiger wird. Die Ökonomen Jesse Thompson und Garrett Golding von der Dallas Fed halten diese Rechnung derzeit für falsch. Ihrer Analyse zufolge ist nicht das Rohöl das eigentliche Problem, sondern die Verarbeitung.
Kriegsschäden, Einschränkungen im Tankerverkehr und Exportverbote hätten die Differenz zwischen Rohöl- und Großhandelspreisen für Kraftstoffe „weit über das normale Maß hinaus“ anwachsen lassen. Fachleute nennen diese Differenz Crack-Spread. Sie liegt laut Bericht inzwischen sogar über den Werten von 2022, als der russische Angriff auf die Ukraine die Energiemärkte erschütterte.
„Die Weltwirtschaft muss neben einem Ölpreisschock auch einen Raffinerieschock bewältigen.“
Für Tankstellenbetreiber gibt es dabei Entlastung: Die hohen Preise seien laut den Analysten keine Folge von Aufschlägen durch Händler, sondern spiegelten echte Engpässe beim Angebot wider.
Rekordpreise in Amerika, Tankrabatt in Deutschland
Die Folgen zeigen sich bereits deutlich. Nach Angaben des US-Automobilclubs AAA kostete eine Gallone (3,79 Liter) Benzin am 8. Oktober im Landesdurchschnitt rund 4,36 US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es etwa 3,12 Dollar. Zum ersten Mal überhaupt lag der Durchschnittspreis in einem Oktober über der Marke von vier Dollar. Brent-Rohöl wurde am 9. Oktober bei rund 103 Dollar je Barrel gehandelt, zusätzlich belastet durch Hurrikan „Isaias“ im Golf von Mexiko.
In Deutschland gilt seit dem 1. Oktober ein Tankrabatt von 17 Cent pro Liter, der bis Dezember laufen soll. Laut ADAC wirkt er zwar, reicht aber nicht aus. Die Analyse aus Dallas lässt vermuten, dass solche Steuersenkungen nur Symptome lindern. Die Ursache beheben sie nicht.
Hausgemachte Schwäche: Europa hat seine Raffinerien abgebaut
Für deutsche Leser ist ein Detail des Berichts besonders aufschlussreich. Zwischen 2019 und 2025 haben China und der Nahe Osten ihre Raffineriekapazitäten um 4,4 Millionen Barrel pro Tag ausgebaut. Europa und Nordamerika haben im selben Zeitraum 2,1 Millionen Barrel täglich verloren. Als Gründe nennt der Bericht geringe Margen, veraltete Technik und hohe Regulierungskosten.
Das ist bemerkenswert. Während Brüssel und Berlin den Ausstieg aus fossilen Energien vorantrieben, wanderten Schlüsselkapazitäten in andere Weltregionen ab. In der Krise zeigt sich nun, wie abhängig Europa dadurch geworden ist.
Krieg, Drohnen, Exportstopps
Seit Beginn des Irankriegs Ende Februar verarbeiten die Raffinerien im Nahen Osten nach vorläufigen IEA-Daten rund 2 Millionen Barrel pro Tag weniger. Gleichzeitig greift die Ukraine verstärkt russische Anlagen an. Präsident Selenskyj meldete am 9. Oktober Drohnenangriffe auf Raffinerien in Omsk und Uchta. Moskau hat sein Exportverbot für Diesel und Gasöle bis Ende Oktober verlängert, und auch China begrenzte zeitweise seine Kraftstoffexporte.
Die Reserven gehen zur Neige
Bisher haben strategische Notreserven den Schock abgefedert. Die US-Reserve umfasste im September allerdings nur noch 284 Millionen Barrel, so wenig wie seit 1982 nicht mehr. Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser warnte am 5. Oktober in London, dass es nach einer Normalisierung bis zu zwei Jahre dauern könne, die Lager wieder aufzufüllen.
„Notfallreserven reichen vielleicht aus, um uns durch einen Winter zu bringen. Sie können jedoch keine langfristigen Versorgungsprobleme lösen.“
Die Ökonomen der Dallas Fed rechnen damit, dass Verbraucher den Markt durch weniger Verbrauch, stärkere Preisschwankungen und womöglich weiter steigende Preise ausgleichen müssen. Die Trump-Regierung hat deshalb bis Jahresende erlaubt, steuerbegünstigten roten Diesel auch auf öffentlichen Straßen zu nutzen. Nach Schätzung des Weißen Hauses spart das pro Lkw-Tankfüllung mehr als 100 Dollar.
Dauerhaft hohe Energiepreise treiben die Inflation und schwächen die Kaufkraft von Ersparnissen. Viele Bürger setzen deshalb auf physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen, weil diese Metalle seit Jahrhunderten als Schutz in Krisenzeiten gelten.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.
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