
Rammstein-Hit „Sonne“: Die Boxhymne, die kein Klitschko wollte

Rammstein bringen ihren größten Hit noch einmal heraus. Die Berliner Band hat „Sonne“ als Live-Single aus Mexiko-Stadt veröffentlicht, als Vorgeschmack auf den Konzertfilm „Rammstein – Live in Mexico City“, der am 4. November weltweit in die Kinos kommt. Spannend ist auch die Geschichte hinter dem Song. Ursprünglich war er nämlich für zwei ukrainische Boxweltmeister gedacht, und die wollten ihn nicht.
Flammen, Feuer, 200.000 Fans
Ab dem 20. November soll der Mitschnitt dann in mehreren Editionen für das Heimkino und die heimische Anlage erscheinen. Die Erwartungen sind hoch, denn das Videoalbum „Rammstein: Paris“ von 2017 gilt unter Fans bis heute als Maßstab.
Das neue Video zeigt, warum ein Rammstein-Konzert mehr als ein Konzert ist. Gefilmt wurde im Stadion Foro Sol, wo an drei Abenden im Oktober 2022 rund 200.000 Menschen die Band sahen. Scheinwerfer jagen über die Menge, Till Lindemann streckt provokant die Zunge heraus, dann setzen die Gitarren mit voller Wucht ein. Pyrotechnik, martialische Choreografien und Lindemanns rollendes R gehören dabei untrennbar zusammen.
Arbeitstitel: „Klitschko“
Gedacht war „Sonne“ aber für den Boxring und nicht für die Stadionbühne. Nach Angaben der Band hatte Lindemann beim Schreiben des Textes einen Kampfabend vor Augen. Rammstein hatten offenbar gehört, dass die Klitschko-Brüder eine neue Einlaufmusik suchten.
Wer damals den Anstoß gab, erzählen die Bandmitglieder unterschiedlich. Meistens fällt der Name Vitali, der heute Bürgermeister von Kiew ist. Keyboarder Flake nannte dagegen Wladimir. Fest steht: Das Stück lief zunächst unter dem schlichten Arbeitstitel „Klitschko“. Gitarrist Paul Landers zufolge war es nach nur zwei Tagen fertig.
Benutzt wurde es für diesen Zweck nie. Laut Landers sei der Song den Boxern etwas zu hart gewesen. Wladimir Klitschko lief damals lieber zu Tina Turners „The Best“ in den Ring, also zu einem Popklassiker statt zu Neuer Deutscher Härte.
Andere Sportler hören Rammstein durchaus vor dem Wettkampf
Andere Spitzensportler sahen das anders. Schwimmweltmeister Paul Biedermann erzählte der „Welt“ einmal, dass er sich vor Wettkämpfen mit Rammstein motiviere:
„Es gibt mir etwas, aggressive Musik oder ein cooles Gitarrenriff vor dem Start zu hören.“
Auch Franziska van Almsick soll auf die Berliner geschworen haben.
Schneewittchen statt Schwergewicht
Rammstein ließen sich von der Absage nicht aufhalten. Am 12. Februar 2001 erschien „Sonne“ als erste Single des Albums „Mutter“, das zwei Monate später folgte. Zum ersten Mal live spielte die Band den Song am 16. April 2001 im Berliner Knaack-Club.
Im Video, gedreht in Potsdam-Babelsberg, kommt das Boxen nicht mehr vor. Die Musiker spielen Zwerge, die für ein Schneewittchen im Domina-Look Gold aus dem Berg holen. Auch auf dem Cover der neuen Live-Single ist eine junge Frau in einem ähnlichen Kostüm zu sehen.
Der Dreh hatte eine Nebenwirkung. Die dunkle Bergmannsschminke ging vor dem Flug zu Festivals in Australien offenbar nicht ganz ab. In seinem Buch „Heute hat die Welt Geburtstag“ von 2017 schreibt Flake, die Stewardessen hätten sich über die Band gewundert, „wahrscheinlich hatten sie noch nie so dreckige Fluggäste an Bord gehabt.“
Fast 900 Millionen Streams
Heute ist der abgelehnte Song der erfolgreichste der Band. In Deutschland kam „Sonne“ auf Platz 2 der Charts. Bei Spotify hat er knapp 900 Millionen Streams und liegt damit etwa zehn Millionen vor „Du hast“. Ein paar Zahlen dazu:
- 575 Aufführungen bei Rammstein-Konzerten
- mehr als 1.300 Live-Versionen anderer Künstler
- Coverversionen unter anderem von Tribute-Bands, Heino und Balbina
Ein Song, den das Boxlager für zu hart hielt, wurde so zu einem der bekanntesten deutschen Rocksongs. Ob Wladimir Klitschko die Entscheidung heute bereut, ist nicht bekannt.
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