
Schulden-Beben in Paris: Wird Frankreich das neue Griechenland?

Die Eurozone steuert auf eine gefährliche Phase zu, und im Zentrum steht Frankreich. Steigende Zinsen, hartnäckige Inflation und ein Schuldenberg auf dem höchsten Stand seit der Nachkriegszeit setzen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion unter Druck. Führende Ökonomen erinnert das an die Griechenland-Krise ab 2009.
Amerika hustet, Europa bekommt Fieber
Der Ausgangspunkt liegt jenseits des Atlantiks. Laut US-Finanzministerium haben die Vereinigten Staaten umgerechnet mehr als 35 Billionen Euro Schulden angehäuft, mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Allein für Zinsen gibt Washington 2026 über 900 Milliarden Euro aus. Das sind rund 100 Milliarden mehr als der gesamte Verteidigungsetat.
Die Kreditgeber werden nervös und verlangen mehr Rendite. Zehnjährige US-Staatsanleihen bringen derzeit 5,3 Prozent. Washington hat dabei einen Trumpf: Es leiht sich Geld überwiegend in der eigenen Weltleitwährung, die es notfalls selbst drucken kann. Paris kann das nicht. Über den Euro entscheidet allein die EZB in Frankfurt.
Weil die Zinsen weltweit zusammenhängen, schwappt die Teuerung des Geldes nach Europa über: auf Hypotheken, Firmenanleihen und Staatsschulden.
Frankreich: Schulden als Staatskunst
Deutschland hat das große Schuldenmachen erst unter Olaf Scholz (Corona) und Friedrich Merz (Sondervermögen) für sich entdeckt. In Frankreich gehört es seit Jahrzehnten zum Inventar. Die Schuldenquote soll 2026 bei 119 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen, so hoch wie zuletzt 1946. Erlaubt wären nach den Maastricht-Kriterien 60 Prozent.
Die Märkte haben reagiert. Für zehnjährige französische Anleihen werden aktuell 4,9 Prozent fällig, für deutsche 3,5 Prozent. Medienberichten zufolge zahlt Paris inzwischen sogar höhere Zinsen als das einstige Sorgenkind Griechenland. Allein in diesem Jahr kostet der Schuldendienst fast 80 Milliarden Euro, für 2027 rechnet die Regierung bereits mit über 90 Milliarden.
Ökonomen schlagen Alarm
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer äußert sich besorgt über die steigende Verschuldung Frankreichs und mögliche Ansteckungseffekte auf andere hoch verschuldete Euroländer. Paris und Rom seien zwar stabiler aufgestellt als Athen damals, dennoch hätten „erste Zweifel an der Schuldentragfähigkeit wieder Fuß gefasst“.
DIW-Präsident Marcel Fratzscher warnt vor einem „Teufelskreis“: Hohe Zinsen und politischer Stillstand könnten eine Rezession auslösen. Dann sänken die Steuereinnahmen und die Schulden stiegen weiter. Ohne radikale Kurskorrektur gerate die Stabilität der Währungsunion ins Wanken. Auch US-Ökonom Paul Krugman sieht laut Berichten die Gefahr einer explosiven Schuldenkrise. Frankreich sei womöglich „too big to save“, also zu groß, um gerettet zu werden.
„Weil es Frankreich ist“
Dass sich Paris einem Sparprogramm von EU oder IWF unterwirft, hält Krämer für unvorstellbar. Die EU-Kommission habe bei Frankreichs Haushaltsverstößen immer wieder beide Augen zugedrückt und Fristen verlängert. Der frühere Kommissionschef Jean-Claude Juncker brachte diese Sonderbehandlung mit einem berühmten Satz auf den Punkt: „Weil es Frankreich ist.“
Analysten der Deutsche-Bank-Tochter DWS bezweifeln, dass der Haushaltsentwurf von Finanzminister Roland Lescure für 2027 die Staatsfinanzen dauerhaft stabilisieren kann. Hinzu kommt der Präsidentschaftswahlkampf. Marine Le Pen verlangt von der EZB niedrigere Zinsen und blitzte damit ab. Jean-Luc Mélenchon würde rund 18 Prozent der Staatsschulden am liebsten „verbrennen“. Selbst die französische Notenbank lehnte das ab.
Lagarde dreht weiter an der Zinsschraube
Die EZB hat den Leitzins inzwischen auf 2,5 Prozent angehoben. Christine Lagarde erwägt für den 29. Oktober eine weitere Erhöhung. Für reformunwillige Schuldenstaaten wird es damit noch teurer. Und am Ende haftet über Rettungsschirme und EZB-Bilanzen auch der deutsche Steuerzahler mit.
Ausgerechnet Griechenland erzielt nach hartem Sparkurs seit drei Jahren wieder Haushaltsüberschüsse. Berlin, Paris und Rom könnten sich daran ein Beispiel nehmen. Bis es so weit ist, setzen viele Sparer auf etwas, das keine Regierung beliebig vermehren kann. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen ein Schutz gegen Schuldenkrisen und Inflation sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
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