
Silber-RĂ€tsel: Warum die Minen trotz Rekordpreisen nicht liefern!

Silber ist nicht einfach âdas kleine Goldâ. Laut Kenny Zhu, Direktor fĂŒr Research und Anlagestrategie beim kanadischen Edelmetallspezialisten Sprott, folgt das weiĂe Metall eigenen Regeln. Das erklĂ€rte er in einem aktuellen Interview mit dem Branchendienst Kitco News. Seine Kernthese: Höhere Preise bringen kaum mehr Angebot auf den Markt. Und wenn Anleger in Scharen einsteigen, kann der Preis senkrecht nach oben schieĂen. Beim Gold hĂ€lt Zhu so etwas kaum fĂŒr denkbar.
Faktor eins: Die Industrie kauft auch bei hohen Preisen
Gold gibt nach Zhus Worten die Richtung fĂŒr den gesamten Edelmetallsektor vor, ob man das mag oder nicht. Bei Silber, Platin und Palladium komme aber ein zweiter Antrieb hinzu: die Industrie.
Nach seiner Rechnung entfallen nur 40 bis 50 Prozent der Silbernachfrage auf monetĂ€re Zwecke, also Barren, MĂŒnzen und Geldanlage. Die restlichen 50 bis 60 Prozent stammen aus der Industrie, etwa von Herstellern von Solarmodulen und elektrischen Bauteilen. Diese Zyklen laufen Zhu zufolge weitgehend unabhĂ€ngig von der Geldanlage. Die Nachfrage reagiere deshalb anders auf den Preis und sei wohl weniger flexibel.
Faktor zwei: Silber ist ein Beifang
Der zweite Punkt wiegt noch schwerer. Der gröĂte Teil des Silbers wird laut Zhu nicht in eigenen Silberminen gefördert. Es fĂ€llt als Nebenprodukt an, vor allem in Kupfer- und Goldminen. Das Silber wird mitverkauft und bringt Gewinn, ist aber nicht das KerngeschĂ€ft der Betreiber.
Das hat Folgen. Ein Kupferkonzern plant seine Förderung nach dem Kupferpreis. Selbst wenn Silber âzum Mond schieĂtâ, wie Zhu es ausdrĂŒckt, wĂŒrden die Minen nicht unbedingt mehr fördern. Sie könnten es oft auch gar nicht. Auf einen Preissprung reagiert das Angebot also kaum. In einem Markt, der ohnehin unter Druck steht, ist das eine heikle Lage.
Laut Daten des Branchenverbands Silver Institute, ĂŒber die berichtet wurde, steuert der Silbermarkt 2026 auf das sechste Defizitjahr in Folge zu. Prognostiziert wird eine LĂŒcke von rund 46 Millionen Unzen. Seit 2021 seien die oberirdischen BestĂ€nde um rund 762 Millionen Unzen geschrumpft. Gleichzeitig ging die industrielle Nachfrage 2025 demnach leicht zurĂŒck, weil Hersteller wegen der hohen Preise Silber einsparen oder durch Kupfer ersetzen. Das Defizit wĂ€chst trotzdem. Das liegt also eher am knappen Angebot als an einem Nachfrageboom.
Faktor drei: Weniger echtes Metall als gedacht
Am wichtigsten ist fĂŒr Zhu der sogenannte Free Float. Gemeint ist die Menge Silber, die tatsĂ€chlich physisch verfĂŒgbar ist. Papierversprechen zĂ€hlen nicht dazu. An ruhigen Tagen sĂ€hen Analysten ausreichende LagerbestĂ€nde, sagt Zhu. Doch sobald ein Preistrend richtig Fahrt aufnehme, verstĂ€rke der knappe Bestand die Bewegung.
Als Beispiel nennt er die Zeit bis Januar 2026, als Silber nahezu senkrecht nach oben lief. Mehr ZuflĂŒsse in Silber-ETFs, wachsende BestĂ€nde in diesen Fonds und sich beschleunigende Trends hĂ€tten damals als VerstĂ€rker gewirkt. Ein solcher Engpass könne den Markt auch kĂŒnftig wieder prĂ€gen.
Rekord, Absturz und die Frage nach dem nÀchsten Mal
Wie stark diese KrĂ€fte wirken, zeigte der Jahresbeginn. Marktdaten zufolge erreichte Silber Ende Januar 2026 im Tageshandel ein Rekordhoch von ĂŒber 120 US-Dollar je Unze. Am 30. Januar folgte ein Einbruch von rund 13 Prozent an einem einzigen Tag. Mitte Oktober notiert Silber Berichten zufolge bei etwa 60 Dollar. Belastet wird der Preis von einem starken US-Dollar, hohen Anleiherenditen und Spekulationen ĂŒber eine Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember.
Anleger sollten die Lehre daraus kennen: Silber schwankt stÀrker als Gold, nach oben wie nach unten. Das Angebot ist jedoch knapp und reagiert kaum auf höhere Preise. Das bleibt so, auch wenn der Kurs gerade fÀllt. Physisches Silber kann deshalb als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio sinnvoll sein, neben Gold als stabilem Anker zur Vermögenssicherung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen ab. Jeder Leser muss selbst recherchieren und ist fĂŒr seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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