
Steuerzahler sollen für Argentiniens Gas-Abenteuer bürgen – Berlin prüft Milliarden-Garantien

Es klingt wie ein schlechter Witz, ist aber bittere Realität: Die Bundesregierung erwägt allen Ernstes, Flüssigerdgas-Importe aus dem wirtschaftlich notorisch instabilen Argentinien mit staatlichen Garantien abzusichern. Im Klartext bedeutet das: Wenn das Geschäft schiefgeht, haftet der deutsche Steuerzahler. Wieder einmal.
Zwei Millionen Tonnen LNG aus Patagonien – auf Kosten der Bürger?
Seit Ende Januar liegt dem Bundeswirtschaftsministerium eine Voranfrage vor, die sich auf ein LNG-Projekt in der argentinischen Provinz Río Negro bezieht. Hintergrund sei eine im Dezember 2025 geschlossene Liefervereinbarung zwischen dem bundeseigenen Gasunternehmen Sefe und dem argentinischen Konzern Southern Energy. Ab Ende 2027 sollen demnach bis zu zwei Millionen Tonnen Flüssigerdgas pro Jahr aus Südamerika nach Deutschland fließen – das entspräche knapp einem Drittel der derzeitigen deutschen LNG-Importe.
Das Erdgas soll aus der patagonischen Förderstätte Vaca Muerta stammen und über zwei schwimmende Terminals im Golfo San Matias verschifft werden. Empfangen würde es unter anderem das schwimmende Terminal in Wilhelmshaven. Soweit die Theorie. Die Praxis sieht deutlich heikler aus.
Argentinien – ein Land am wirtschaftlichen Abgrund
Wer sich auch nur oberflächlich mit der wirtschaftlichen Historie Argentiniens beschäftigt, dem dürfte bei dem Gedanken an staatliche Bürgschaften für dortige Projekte ein kalter Schauer über den Rücken laufen. Das südamerikanische Land hat in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach den Staatsbankrott erklärt, leidet unter einer chronischen Hyperinflation und gilt an den internationalen Finanzmärkten als hochriskant. Präsident Javier Milei versucht zwar mit radikalen Sparmaßnahmen gegenzusteuern, doch ob seine libertäre Schocktherapie langfristig Früchte trägt, steht buchstäblich in den Sternen.
Genau deshalb prüft Berlin nun sogenannte Garantien für „Ungebundene Finanzkredite" (UFK). Diese Instrumente sind speziell für Rohstoffvorhaben im Ausland konzipiert und sichern Kredite gegen wirtschaftliche und politische Ausfallrisiken ab. Im Schadensfall – und bei Argentinien muss man dieses Szenario durchaus ernst nehmen – würde der deutsche Staat für den größten Teil der Verluste geradestehen. Der Steuerzahler als Bürge letzter Instanz, einmal mehr.
Habecks „Klimaprüfung" wird aufgeweicht
Pikant ist dabei ein weiteres Detail: Unter dem ehemaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck hatte die Ampelregierung 2023 eine sogenannte „Klimaprüfung" für derartige Garantien eingeführt. Diese sollte sicherstellen, dass geförderte Projekte mit dem 1,5-Grad-Klimaziel vereinbar seien. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz plant nun eine „Flexibilisierung" dieser Leitlinien – ein diplomatisches Wort dafür, dass man die grünen Hürden schlicht abräumen möchte.
Man muss kein Freund der Grünen sein, um hier eine gewisse Ironie zu erkennen: Dieselbe Regierung, die die Klimaneutralität bis 2045 im Grundgesetz verankert hat und dafür ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen aufnimmt, lockert gleichzeitig die Klimaprüfung für fossile Energieprojekte. Konsequenz sieht anders aus.
Die eigentliche Frage: Warum nicht auf eigene Ressourcen setzen?
Was bei der gesamten Debatte sträflich unter den Tisch fällt, ist die Frage, warum Deutschland seine Energieversorgung derart von fernen und instabilen Lieferanten abhängig machen muss. Erst war es die fatale Abhängigkeit von russischem Pipeline-Gas, nun soll argentinisches LNG die Lücke füllen – abgesichert mit Steuergeldern. Die Erschließung eigener Gasreserven, etwa durch Fracking in Niedersachsen, bleibt hingegen politisch tabu. Deutschland sitzt auf erheblichen Schiefergasvorkommen, doch statt diese zu nutzen, schickt man lieber Milliarden ans andere Ende der Welt.
Sefe selbst betonte gegenüber Medien, das Unternehmen habe keinen eigenen Antrag auf staatliche Garantien gestellt. Allerdings müsse nicht Sefe, sondern der jeweilige Kreditgeber den Antrag einreichen – eine feine Unterscheidung, die am Ergebnis wenig ändert. Am Ende steht der Bürger in der Haftung.
Energiesicherheit ja – aber nicht um jeden Preis
Niemand bestreitet, dass Deutschland nach dem Wegfall russischer Gaslieferungen dringend neue Bezugsquellen braucht. Doch die Art und Weise, wie hier vorgegangen wird, wirft ernsthafte Fragen auf. Staatliche Bürgschaften für Projekte in einem Land, das regelmäßig seine Schulden nicht bedienen kann? Das ist keine vorausschauende Energiepolitik, das ist ein Vabanquespiel mit dem Geld der Steuerzahler. In Zeiten, in denen die Inflation in Deutschland wieder auf 2,1 Prozent gestiegen ist und die Bürger unter steigenden Lebenshaltungskosten ächzen, sollte die Regierung mit jedem Euro zweimal rechnen – statt ihn leichtfertig als Garantie für riskante Auslandsgeschäfte zu verpfänden.
Wer sein Vermögen in diesen unsicheren Zeiten schützen möchte, sollte über physische Edelmetalle wie Gold und Silber als bewährte Absicherung nachdenken. Während Staatsgarantien und Papierwerte im Ernstfall wertlos werden können, haben Edelmetalle über Jahrtausende hinweg ihren Wert behalten und bieten eine solide Ergänzung für jedes breit aufgestellte Anlageportfolio.

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