
Strom-Anschlag auf Berlin: Polizei will Fußfesseln für Linksextreme!

Die Berliner Polizeigewerkschaft verliert die Geduld. Rund ein Jahr nach dem mutmaßlich linksextremen Brandanschlag auf die Stromversorgung des Technologieparks Adlershof sind die vier Beschuldigten weiter auf freiem Fuß. GdP-Landeschef Stephan Weh verlangt deshalb elektronische Fußfesseln und wirft der Hauptstadt-Justiz ein Zuständigkeits-„Pingpong“ vor.
„Wir machen das bei Islamisten, warum nicht auch hier“
Gegenüber der „Welt am Sonntag“ wählte Weh deutliche Worte. Er schlug vor, das Instrument im Rahmen der Gefahrenabwehr einzusetzen:
„Vielleicht wäre es endlich an der Zeit, diesen Terroristen im Rahmen der Gefahrenabwehr elektronische Fußfesseln anzulegen. Wir machen das bei Islamisten, warum nicht auch hier.“
Das ist ein bemerkenswerter Satz. Denn er stellt eine unbequeme Frage: Misst der Staat bei Extremisten mit zweierlei Maß?
Eine Nacht, 50.000 Kunden im Dunkeln
Rückblick auf den 9. September 2025: Unbekannte zündeten zwei Hochspannungsmasten in Berlin-Johannisthal an. Laut Generalstaatsanwaltschaft fiel der Strom zeitweise bei rund 50.000 Privathaushalten und etwa 2.000 Gewerbebetrieben aus – von Adlershof über Altglienicke und Grünau bis ins brandenburgische Schönefeld.
Pflegeheime, Arztpraxen, Apotheken, Schulen und Kitas saßen im Dunkeln. S-Bahnen, Straßenbahnen und Ampeln standen still. Besonders alarmierend: In Teilen des Gebiets waren die Notrufnummern 110 und 112 per Handy nicht erreichbar. Nach Angaben der Feuerwehr mussten fünf Pflegeheimbewohner vorübergehend in Kliniken verlegt werden.
Das Ziel war kein Zufall. „Adlershof Science at Work“ gilt als Berlins wichtigster Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort, mit dem naturwissenschaftlichen Campus der Humboldt-Universität, zahlreichen Forschungsinstituten und 1.330 Unternehmen. Auf der linksextremen Plattform Indymedia tauchte später ein Bekennerschreiben auf.
Razzia im März, danach Stillstand
Dabei hatten die Ermittler durchaus geliefert. Am 24. März 2026 durchsuchten rund 500 Polizisten Wohnungen und Räume in Berlin, Brandenburg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Den vier Beschuldigten im Alter von 28 bis 36 Jahren wird laut Generalstaatsanwaltschaft unter anderem verfassungsfeindliche Sabotage vorgeworfen. Handys, Laptops und Unterlagen wurden sichergestellt.
Doch dann legten die Verteidiger Beschwerde gegen die Durchsuchungen und die Beschlagnahme der Datenträger ein. Seitdem warte das Verfahren auf Entscheidungen des Landgerichts Berlin I, heißt es. Weh zeigte sich „ehrlicherweise entsetzt“, wie Gericht und Staatsanwaltschaft die Verantwortung hin- und herschöben. Dieses Pingpong erwecke den Anschein, als habe man gar kein Interesse, die Ermittlungen voranzutreiben.
Auf eine Medienanfrage im Mai 2026 ließ die Generalstaatsanwaltschaft lediglich wissen, die Ermittlungen dauerten an, weitere Auskünfte könnten nicht erteilt werden. Neun Monate nach der Tat war das alles.
15 Jahre „Vulkangruppe“ – und kaum Ergebnisse
Adlershof ist kein Einzelfall. Es gehört zu einer Serie, die Berlin seit Jahren begleitet:
- 2011: Erster Angriff einer „Vulkangruppe“ auf technische Infrastruktur
- 2018/2019: Anschläge auf Kabel in Charlottenburg und auf Bahnkabel in Karlshorst
- März 2024: Brand an einem Strommast bei Grünheide, Tesla meldete Schäden von mehreren hundert Millionen Euro
- Januar 2026: Anschlag in Lichterfelde, rund 45.000 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden ohne Strom, knapp 100 Stunden bis zur vollständigen Wiederherstellung
Einen greifbaren Ermittlungserfolg gegen die Gruppe konnten weder die Berliner Generalstaatsanwaltschaft noch die Bundesanwaltschaft bisher öffentlich vorweisen. Das nach 15 Jahren.
Ein Staat, der sich selbst nicht schützt?
Aus Sicht unserer Redaktion geht es hier um mehr als ein zähes Verfahren. Wer Stromnetze angreift, gefährdet Menschenleben, legt Betriebe lahm und schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Ein Rechtsstaat, der seine kritische Infrastruktur nicht wirksam schützt, verspielt das Vertrauen seiner Bürger.
Selbstverständlich gilt für die vier Beschuldigten die Unschuldsvermutung. Viele Bürger fragen sich trotzdem zu Recht, warum Instrumente, die bei Islamisten längst eingesetzt werden, bei mutmaßlichen Linksextremisten offenbar tabu sind. Wehs Forderung dürfte die Debatte darüber anheizen, und das zu Recht.

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