
Strom-Netzentgelte 2027: Mini-Rabatt, und der Steuerzahler zahlt mit!

Ein kleiner Lichtblick auf der Stromrechnung: Nach ersten vorläufigen Preisblättern von zwölf Netzbetreibern sollen Privathaushalte und kleine Betriebe 2027 im Schnitt etwas weniger Netzentgelt zahlen. Die Zahlen hat der Branchendienstleister ene't ausgewertet. Allerdings fällt die Entlastung winzig aus, sie ist auf Kante genäht und wird zum Teil aus Steuergeld bezahlt.
Ein Prozent weniger. Mehr ist es nicht
Ein Musterhaushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch soll laut ene't im kommenden Jahr durchschnittlich 354,39 Euro an Netzentgelten zahlen. Das ist ein Prozent weniger als 2026. Ein Single-Haushalt mit 1.500 kWh spart gerade einmal 0,4 Prozent und landet bei 193,42 Euro.
Am meisten profitieren kleine Gewerbekunden mit rund 40.000 kWh Verbrauch. Ihre Kosten sinken um 1,6 Prozent auf 2.672,45 Euro. Größere Betriebe am Mittelspannungsnetz mit 400.000 kWh müssen dagegen 3,5 Prozent mehr zahlen. Ausgerechnet der Mittelstand, der das Land trägt, wird also wieder zur Kasse gebeten.
Netzentgelte zahlt jeder Stromkunde für den Transport des Stroms durch die Leitungen. Sie machen einen erheblichen Teil des Strompreises aus. Und sie wachsen mit jedem Kilometer neuer Trasse, den die Energiewende verlangt.
Die Übertragungsnetze werden fast ein Viertel teurer
Hinter dem kleinen Rabatt steckt ein ganz anderer Trend. Die vier Übertragungsnetzbetreiber heben ihr bundesweit einheitliches Entgelt nach eigenen Angaben von 2,86 auf 3,54 Cent pro kWh an. Das ist ein Plus von knapp 24 Prozent. Noch Anfang Oktober waren deshalb steigende Kosten für alle erwartet worden.
Je nach Region klaffen die Preise weit auseinander. Am günstigsten ist bislang NordNetz mit 237,93 Euro für den Musterhaushalt, allerdings sind das 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Westnetz bleibt mit 432,60 Euro trotz eines Rückgangs um 8,8 Prozent der teuerste Betreiber. Den stärksten Anstieg meldet Bayernwerk Netz: plus 10,6 Prozent auf 329,40 Euro. Wer in der falschen Gegend wohnt, zahlt also bis zu 195 Euro mehr im Jahr.
Die Entlastung kommt aus dem Steuertopf
Hier liegt der Haken. Die Netzbetreiber haben einen Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzkosten schon fest eingeplant. Ist dieser nicht bis zum 7. Dezember 2026 rechtssicher beschlossen, könnten die endgültigen Entgelte nach Angaben der Betreiber höher ausfallen. Die Preisblätter gelten ausdrücklich als vorläufig, und bisher decken sie nur 56,6 Prozent der versorgten Fläche ab.
In diesem Jahr fließen 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds in die Netze. Von 2027 bis 2029 sollen es laut Gesetzentwurf nur noch 5,525 Milliarden Euro jährlich sein. Die Bundesregierung verspricht, Haushalte und Unternehmen damit weiterhin „spürbar“ zu entlasten. Doch was nicht über die Stromrechnung bezahlt wird, zahlt der Bürger eben über Steuern. Aus Sicht unserer Redaktion ist das keine echte Entlastung, sondern ein Griff von der linken in die rechte Tasche, und das in einer Zeit, in der die schwarz-rote Koalition mit milliardenschweren Sondervermögen ohnehin Rekordlasten auf künftige Generationen verschiebt.
Beim Gas steigen die Kosten überall
Beim Gas gibt es nicht einmal einen kleinen Rabatt. Laut ene't steigen die Netzentgelte in allen untersuchten Fällen. Ein Haushalt mit 20.000 kWh zahlt im Schnitt 603,47 Euro, also 1,2 Prozent mehr. Am teuersten ist E.DIS in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit 977,68 Euro. Am günstigsten sind die Stadtwerke Greven mit 301,51 Euro. Thüga Energienetze erhöht um satte 12,1 Prozent, eneREGIO senkt dagegen um 8,0 Prozent.
Unser Fazit
Ein Prozent weniger bei den Stromnetzentgelten, dazu mehr bei Gas und Übertragungsnetzen und ein Zuschuss, der schrumpft: Das ist keine Wende bei den Energiepreisen. Teure Energie bleibt ein Inflationstreiber, der Ersparnisse Stück für Stück aufzehrt. Wer sein Vermögen gegen diesen schleichenden Kaufkraftverlust schützen will, sollte über breite Streuung nachdenken. Physisches Gold und Silber können dabei eine sinnvolle Beimischung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik

















