
Wasser-Abgabe für Server: Schneider will Rechenzentren zur Kasse bitten!

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) nimmt die Betreiber von Rechenzentren ins Visier. Auf dem Forum „Zukunft Wasser“ in seinem Berliner Ministerium hat er höhere Wasserpreise für die Branche ins Gespräch gebracht. Wer mit Bürgern ums knappe Nass konkurriere, solle künftig tiefer in die Tasche greifen oder in sparsame Kühltechnik investieren.
Damit liegt die nächste Abgaben-Idee auf dem Tisch. Und das ausgerechnet in der Branche, die Deutschland bei der Digitalisierung eigentlich nach vorn bringen soll.
Bürger gegen Server: Schneiders Rechnung
Der Minister begründete seinen Vorstoß mit häufigeren Trockenphasen. Es gehe um neue Verteilungsfragen, auf die man gerechte Antworten finden müsse. Neben ihm stand EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall.
„Wenn Wasser knapp ist, kann es nicht sein, dass die Grundbedürfnisse der Bürger mit Großverbrauchern wie Rechenzentren konkurrieren müssen.“
Die Betreiber machten nach Schneiders Worten „oft sehr hohe Gewinne“. Sie müssten deshalb mehr für Wasser oder für Spartechnik zahlen. Nur dann würden die Gemeinden neue Standorte akzeptieren. Eine bundesweite und systematische Beteiligung an den Kosten setze zudem Anreize, Wasser zu sparen. Schneider verwies dabei auf deutsche Weltmarktführer bei der passenden Technik. In den kommenden Wochen wolle er mit Ländern und Branchen darüber sprechen.
Die Fakten sind dünn
Wie viel Wasser die Server-Hallen wirklich schlucken, weiß bislang allerdings niemand genau. Für das Rhein-Main-Gebiet, Deutschlands wichtigsten Rechenzentrums-Standort, schätzt das Öko-Institut den Jahresverbrauch Medienberichten zufolge auf 5 bis 50 Millionen Kubikmeter. Die Spanne umfasst also den Faktor zehn. Das Register des Bundeswirtschaftsministeriums nennt für ganz Hessen nur 1,4 Millionen Kubikmeter, gilt aber als lückenhaft.
Die Branche hält dagegen. Laut dem Verband German Data Centers arbeiteten die meisten Anlagen mit Trockenkühlung. Die besonders durstige Verdunstungskühlung laufe nur bei Spitzenlasten. Die Gesellschaft für Informatik geht dagegen davon aus, dass etwa ein Drittel der deutschen Rechenzentren auf diese Kühlung setzt.
Darf eine neue Abgabe auf so einer Grundlage stehen? Kritiker dürften sagen: Wer nicht misst, kann auch nicht gerecht abrechnen.
Greenpeace will noch mehr
Der Umweltorganisation Greenpeace reicht Schneiders Vorstoß nicht. Ihre Digitalexpertin Linda Klapdor verlangt, dass Betreiber schon bei der Planung offenlegen, wie sie kühlen wollen. Ohne überzeugendes Wasserkonzept dürften Projekte nicht umgesetzt werden. Schneider und Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) sollten Mega-Rechenzentren in trockenen Regionen wie Brandenburg oder Rhein-Main verhindern. Der Hitzesommer habe gezeigt, wie kostbar Wasser sei.
Beobachter sehen darin ein faktisches Ansiedlungsverbot für ganze Regionen. Für Investoren wäre das ein Warnsignal.
Koalition im Widerspruch
Brisant ist der Vorstoß vor allem innerhalb der Regierung. Laut Medienberichten will die Bundesregierung die KI-Kapazitäten deutscher Rechenzentren bis 2030 vervierfachen. Gleichzeitig plant der SPD-Umweltminister zusätzliche Kosten für genau diese Anlagen. Am selben Tag wollte Schneider Berichten zufolge auch Pharma- und Kosmetikhersteller stärker an den Kosten der Wasserreinigung beteiligen.
Ein Gedanke ist dabei richtig: Trinkwasser für Familien muss Vorrang haben. Doch ein weiterer Kostenblock für eine Branche, die ohnehin unter Europas höchsten Strompreisen leidet, wirkt nicht wie eine Standortoffensive. Rechenzentren lassen sich auch in Skandinavien, Irland oder den USA bauen.
Ob Schneider den Ländern ein durchdachtes Modell vorlegt oder nur eine neue Abgabe mit grünem Etikett, sollen die Gespräche der nächsten Wochen zeigen. Vorerst bleibt der Eindruck einer Regierung, die beim Gas bremst und beim Kassieren Tempo macht.

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