
Werft statt Koalitionstisch: Grünen-Chefin in MV wirft hin!

Ausgerechnet zum Start der Sondierungen für ein rot-rot-grünes Bündnis lässt die Grünen-Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, Katharina Horn, ihr Amt ruhen. Wie die 28-Jährige in Schwerin erklärte, tritt sie bei der Vorstandswahl im November nicht wieder an. An den Gesprächen mit SPD und Linkspartei nimmt sie ebenfalls nicht teil.
Für einen Politikbetrieb, in dem Berufspolitiker den Ton angeben, wirkt ihre Begründung beinahe exotisch. Horn ist gelernte Bootsbauerin und verweist auf ihren Beruf:
„Zeitgleich zu den anstehenden Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen beginnt für mich die Hochsaison in der Werft“
Echtes Handwerk in einer Akademikerpartei
Eine Grünen-Chefin, die selbst Boote baut, ist eine bemerkenswerte Ausnahme. Denn das Spitzenpersonal der Partei wechselt nicht selten direkt vom Hörsaal ins Parlament. Umso mehr fragen sich Beobachter, warum gerade sie in der entscheidenden Phase das Feld räumt.
Horn hatte den Landesverband seit 2022 zusammen mit Ole Krüger geführt. Krüger und Spitzenkandidatin Claudia Müller würdigten ihre Arbeit. Einen Zusammenhang mit dem internen Streit der vergangenen Monate nannte Horn in ihrer Erklärung nicht.
Knapp über der Hürde und schon am Kabinettstisch?
Das Ergebnis der Landtagswahl vom 20. September ist eindeutig. Laut vorläufigem amtlichem Endergebnis wurde die AfD mit 38,2 Prozent stärkste Kraft. Die SPD folgt mit 35,5 Prozent. Die Linke erreichte 6,5 Prozent, die Grünen schafften mit 5,7 Prozent knapp den Wiedereinzug. Die CDU flog mit 4,9 Prozent aus dem Landtag.
Trotzdem will Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) weiterregieren, und zwar mit Linken und Grünen. Medienberichten zufolge haben SPD und Linke die Sondierungen bereits begonnen. Die Grünen sollen erst am Dienstag dazukommen. Weil mehrere Parteien an der Fünfprozenthürde scheiterten, hätte Rot-Rot-Grün eine Mehrheit im Parlament.
Zusammen kommen die drei Parteien allerdings nur auf 47,7 Prozent der Stimmen. Dazu geht der kleinste Partner ohne seine Landeschefin in die Verhandlungen. Nach Stabilität sieht das nicht aus.
Monatelanger Streit um schwere Vorwürfe
Der Landesverband hat eine zermürbende Zeit hinter sich. Zwei Fraktionsmitarbeiter hatten sich über die damalige Fraktionsvorsitzende Constanze Oehlrich beschwert. Es ging um mutmaßlichen Machtmissbrauch und Belästigung. Oehlrich wies die Vorwürfe zurück.
Die Fraktion beauftragte externe Juristen. Diese stellten nach Angaben der Grünen weder einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz noch ein fehlerhaftes Führungsverhalten fest. Ruhe kehrte trotzdem nicht ein.
Personalkarussell vor der Wahl
Nach Angaben von Hinweisgebern soll der damalige Abgeordnete Hannes Damm auf eine Aufarbeitung gedrängt haben. Später verlor er seinen Posten als stellvertretender Fraktionsvorsitzender und fiel bei der Aufstellung der Landesliste durch.
Auch Oehlrich konnte ihre zunächst gewonnene Spitzenkandidatur nicht halten. Im Januar musste die Liste neu gewählt werden. Die Bundestagsabgeordnete Müller übernahm Platz eins. Wenige Wochen vor der Wahl gab Oehlrich außerdem den Fraktionsvorsitz ab.
Die unbequeme Frage für den Nordosten
Die Grünen sprechen gern von Haltung, Verlässlichkeit und moralischer Führung. In Mecklenburg-Vorpommern fallen sie dagegen durch Personalwechsel, interne Konflikte und einen schwer erklärbaren Abgang zur Unzeit auf. Dabei sollen sie ein Land mitregieren, dessen Wähler gerade ein politisches Erdbeben ausgelöst haben.
Für die Bürger stellt sich deshalb eine einfache Frage: Wie belastbar ist eine Regierung, deren Juniorpartner schon vor dem ersten Verhandlungstag seine Führung verliert? Vielleicht ist Horns Wechsel auf die Werft sogar die ehrlichste Entscheidung in diesem politischen Herbst. Wer dort arbeitet, liefert jeden Tag sichtbare Ergebnisse.

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