
Asyl-Stau vor Gericht: Fast 200.000 Klagen – und es werden mehr!

Deutschlands Verwaltungsgerichte kommen bei den Asylverfahren nicht hinterher. Mitte August 2026 waren bundesweit 196.315 Asylklagen noch nicht entschieden, mehr als zu Jahresbeginn. Dabei gehen die neuen Asylanträge zurück.
Ein Berg, der nicht kleiner wird
Die Zahlen stammen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Clara Bünger. Darüber berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Mitte Januar waren demnach noch 191.566 Verfahren offen. In sieben Monaten kamen also 4.749 Fälle hinzu.
Auch beim Tempo geht es rückwärts. Im ersten Halbjahr 2026 brauchten die Gerichte im Schnitt 15,3 Monate, um eine Asylklage abzuschließen. Im Vorjahr waren es 14,3 Monate, allerdings ohne die Daten für Dezember. Jahrelang war die Verfahrensdauer gesunken: 2021 lag sie noch bei 26,5 Monaten, 2024 bei 16,7 Monaten.
Föderaler Flickenteppich
Wo jemand klagt, macht einen Unterschied von Monaten. In Sachsen warteten Kläger im ersten Halbjahr im Schnitt 20,4 Monate auf ein Urteil, in Niedersachsen 20 Monate. Rheinland-Pfalz brauchte 9,2 Monate, Bayern 10,7. Im selben Land und nach demselben Recht geht es also mehr als doppelt so schnell.
Abgelehnt? Dann eben vor Gericht
Laut der Bundeszentrale für politische Bildung wurden zwischen Januar und November 2025 genau 149.995 Entscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) angefochten. Das sind 52 Prozent aller Bescheide. 2024 lag diese Klagequote noch bei 34,2 Prozent.
Bei Ablehnungen ist die Klage praktisch die Regel. Gegen 89,9 Prozent der negativen Bescheide wurde 2025 geklagt, nach 88,4 Prozent im Jahr davor. Ein „Nein“ der Behörde ist damit fast immer nur ein Zwischenstand. Es klagen aber nicht nur Abgelehnte: Auch Menschen mit subsidiärem Schutz ziehen teils vor Gericht, um einen höheren Schutzstatus zu erreichen.
Das BAMF räumt auf, die Gerichte tragen die Last
Beim BAMF sieht es dagegen deutlich besser aus. Die Behörde hat ihren Rückstand stark abgebaut: Anfang 2025 waren dort rund 205.000 Verfahren offen, Ende Juni 2026 nur noch 68.344. Die Bearbeitungsdauer sank im ersten Halbjahr 2026 auf 11,3 Monate, nach 12,2 Monaten im Vorjahr.
Der Stau verschwindet dadurch aber nicht. Er wandert nur eine Stufe weiter, zu den Gerichten. Die Präsidentin des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, Andrea Breit, sagte dazu dem Bayerischen Rundfunk:
„Das lag daran, dass das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vermehrt Verfahren entschieden hat, die dort noch aufgelaufen waren.“
Wer die Zeche zahlt
Die Folgen treffen jeden Bürger, der selbst ein Verwaltungsgericht braucht. Nach Breits Angaben waren die bayerischen Verwaltungsgerichte im Juli zu rund 45 Prozent mit Asylverfahren beschäftigt. Streit um Baugenehmigungen oder andere Behördenentscheidungen bleibt dadurch länger liegen.
Für den Handwerker, der auf die Genehmigung für seine neue Halle wartet, oder die Familie, die ein Eigenheim bauen will, kostet das Zeit und Geld. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt sich hier ein Konstruktionsfehler: Wenn fast jede Ablehnung in eine zweite Runde vor Gericht geht, bindet das Kapazitäten, die der Justiz an anderer Stelle fehlen.
Die schwarz-rote Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz hatte eine Wende in der Migrationspolitik angekündigt. Sinkende Antragszahlen sind ein Anfang. Solange Asylverfahren aber im Schnitt mehr als 15 Monate vor Gericht liegen, bleibt die Frage: Wann folgen auf das Versprechen auch schnelle und verlässliche Entscheidungen?
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