
Aus nach 399 Jahren: Wolters-Brauerei zapft zum letzten Mal!

Braunschweig verliert eine seiner ältesten Institutionen. Das Hofbrauhaus Wolters stellt die Produktion zum Jahresende ein. So hat es eine Sprecherin der Insolvenzkanzlei Eckert bestätigt. Rund 90 Beschäftigte haben am Montagnachmittag erfahren, dass ihr Arbeitsplatz verschwindet. Die Brauerei war 1627 gegründet worden, also noch während des Dreißigjährigen Krieges.
Ein Unternehmen, das Pest, Kriege, Inflation und zwei deutsche Diktaturen überstanden hat, scheitert jetzt an der Gegenwart. Das sagt einiges über den Zustand des Standorts Deutschland.
Investoren wollten nur die Marke
Den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung hatte Wolters im Sommer gestellt. Als Begründung nannte das Unternehmen unter anderem den sinkenden Bierabsatz in Deutschland. Regionalen Medienberichten zufolge soll zuvor die Hausbank ihre Unterstützung eingestellt haben. Eröffnet wurde das Verfahren am 1. September. Nach Angaben der Kanzlei suchte man auch nach frischem Kapital für die Produktion, allerdings ohne Erfolg.
Nach Berichten des NDR ist der 31. Dezember 2026 der letzte Tag. Geschäftsführer Nils Handke sprach von einem Schritt, der aus seiner Sicht nicht zu vermeiden gewesen sei. Mit dem Ende der Produktion in Braunschweig gehe eine Ära zu Ende, sagte er.
Veraltete Anlagen als Knackpunkt?
Die Fraktionschefin der Braunschweiger Grünen, Leonore Köhler, nannte einen möglichen Grund. Es habe durchaus Interessenten für die Marke gegeben. Den Standort hätten sie aber wohl nicht übernehmen wollen, weil die Anlagen veraltet seien und dringend modernisiert werden müssten. Genauer wurde sie nicht.
Übrig bleibt nun womöglich nur das Etikett. Laut der Kanzlei gehen die Bemühungen weiter, die Marke Wolters zu retten. Mit mehreren Interessenten führe man „konstruktive Gespräche“. Ob ein Wolters aus fremden Kesseln die Braunschweiger noch überzeugt, ist eine andere Frage.
Gewerkschaft spricht von „Vollbremsung“
Die Gewerkschaft NGG kritisiert, dass zwischen Verfahrenseröffnung und Schließung nur wenige Wochen lagen. Von außen sehe das Ganze nicht nach einer geordneten Sanierung aus, so die Gewerkschaft:
„Nach außen betrachtet wirkt dieser Vorgang weniger wie ein geordneter Sanierungsprozess als vielmehr wie eine Vollbremsung.“
Auch im Rathaus ist die Stimmung gedrückt. Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD) bezeichnete das Aus als „extrem schmerzhaft“. Die CDU-Ratsfraktion schrieb, die Brauerei gehöre seit Generationen zur Identität der Stadt und sei ein wichtiger Teil der Braunschweiger Wirtschaftsgeschichte. Den 90 Familien, die jetzt um ihr Einkommen bangen, helfen solche Worte allerdings wenig.
Ein Markt im freien Fall
Wolters ist kein Einzelfall. Laut Statistischem Bundesamt setzten die deutschen Brauereien 2025 nur noch rund 7,8 Milliarden Liter Bier ab. Das waren sechs Prozent weniger als im Vorjahr und damit der stärkste Rückgang seit der Wiedervereinigung.
Der Deutsche Brauer-Bund macht dafür vor allem die starke Kaufzurückhaltung der Verbraucher verantwortlich. Hinzu kommen eine Gastronomie, die sich seit der Pandemie vielerorts nicht erholt hat, und die Marktmacht des Handels. Wachsen können dem Verband zufolge nur noch alkoholfreie Biere und Mischgetränke.
Wie schlecht die Lage ist, zeigt Braunschweig selbst. Oettinger hat seinen dortigen Standort bereits zu Jahresbeginn geschlossen. Zuletzt traf es auch eine Brauerei in Herford in Nordrhein-Westfalen. Mittelständische Traditionsbetriebe gehen einer nach dem anderen verloren.
Mehr als nur ein Bier
Solche Betriebe zahlen in ihrer Region Steuern, bilden aus und sorgen für Zusammenhalt. Viele Bürger haben den Eindruck, dass die Politik sich zwar um Großprojekte und Milliardenprogramme kümmert, nicht aber um diese Unternehmen. Wenn selbst ein fast 400 Jahre alter Betrieb keinen Käufer mehr findet, sollten Berlin und Hannover das als Warnung verstehen.
Ende Dezember läuft in Braunschweig das letzte Wolters-Bier vom Band. Und keiner kann sagen, welche Traditionsbrauerei als nächste aufgibt.
- Themen:
- #Insolvenzen
- #SPD
- #CDU-CSU
- #Grüne

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











