
Ausverkauf im Mittelstand: US-Milliardär kauft deutschen Weltmarktführer

Ein Ventilatorenhersteller aus einer 3.500-Seelen-Gemeinde in Baden-Württemberg wechselt für 5,4 Milliarden Dollar den Besitzer – und landet in amerikanischer Hand. Käufer ist der US-Milliardär Larry Gies, der mit dem Zusammenkauf unscheinbarer Industriefirmen ein Imperium aufgebaut hat. Der Fall EBM-Papst aus Mulfingen ist dabei nur die Spitze eines Trends, der deutschen Standortpolitikern die Röte ins Gesicht treiben müsste.
Vom Buchhalter aus Illinois zum Jäger der Hidden Champions
Gies gilt Berichten zufolge als einer der erfolgreichsten und zugleich unbekanntesten Firmenkäufer der USA. Der gebürtige Kleinstädter aus Mendota, Illinois, begann als Buchhalter. Seine Formel ist von entwaffnender Schlichtheit: unauffällige Industriebetriebe erwerben, bündeln, groß machen.
Erst im April brachte er seine Klimatechnikfirma Madison Air an die Börse – mit einem Volumen von 2,2 Milliarden Dollar einer der größten Industrie-Börsengänge in den USA seit Jahrzehnten. Nun folgt der bislang größte Zugriff: ein deutscher Weltmarktführer für Ventilatoren und Antriebstechnik, gewachsen in der schwäbischen Provinz, aufgebaut über Generationen.
2026 könnte ein Rekordjahr des Ausverkaufs werden
Was in Mulfingen geschieht, ist längst kein Einzelfall mehr, sondern ein Muster. US-Konzerne und amerikanische Finanzinvestoren greifen einer exklusiven Auswertung zufolge immer entschlossener nach deutschen Industrie-Champions. Für das Jahr 2026 zeichne sich demnach ein Übernahmerekord der vergangenen Jahre ab – getrieben vor allem vom wachsenden Appetit US-amerikanischer Kapitalgeber.
Warum ausgerechnet jetzt? Wer deutsche Industrieunternehmen kauft, bekommt Weltklasse-Technologie, eingespielte Belegschaften und jahrzehntelang aufgebaute Kundenbeziehungen – zu Preisen, die im internationalen Vergleich als attraktiv gelten. Übersetzt heißt das: Deutsche Substanz ist billig geworden.
Die unbequeme Frage an die Politik
Aus Sicht unserer Redaktion ist der Befund unangenehm eindeutig. Wenn amerikanische Investoren im deutschen Mittelstand shoppen gehen wie im Schlussverkauf, dann sagt das weniger über die Cleverness der Käufer aus als über die Rahmenbedingungen der Verkäufer.
Hohe Energiepreise, eine ausufernde Bürokratie, Berichtspflichten aus Brüssel, Steuer- und Lohnzusatzkosten im Spitzenfeld – Unternehmerfamilien fragen sich zunehmend, ob sich der Kampf noch lohnt. Kritiker der Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre sehen genau darin die Ursache: Nicht die Firmen sind schwach, sondern der Standort ist teuer geworden.
Die schwarz-rote Bundesregierung unter Friedrich Merz hat Entlastung versprochen. Bislang dominieren jedoch Schuldenprogramme die Schlagzeilen – 500 Milliarden Euro Sondervermögen, Klimaneutralität im Grundgesetz. Ob das reicht, damit Familienunternehmer künftig lieber investieren als verkaufen, dürfte sich erst in Jahren zeigen.
Was Anleger daraus lernen können
Für Beschäftigte in Mulfingen und anderswo bleibt die bange Frage, wie neue Eigentümer mit gewachsenen Strukturen umgehen. Für Sparer und Anleger liefert der Vorgang eine andere Lektion: Produktivkapital kann den Besitzer wechseln, Standorte können verlagert, Bewertungen können über Nacht neu geschrieben werden.
Wer sein Vermögen breit aufstellen will, sollte deshalb auch über Werte nachdenken, die keiner Übernahme, keinem Bilanzrisiko und keiner Managemententscheidung unterliegen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber gelten seit Jahrhunderten als solche Konstante – als Ergänzung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir führen keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung durch. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

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