
Deutschland rüstet auf: Bundestag gibt halbe Milliarde für Kamikaze-Drohnen frei
Was vor wenigen Jahren noch undenkbar schien, ist nun Realität: Der Deutsche Bundestag hat am Mittwoch die erste Tranche von 540 Millionen Euro für die Beschaffung sogenannter Kamikazedrohnen – auch als „Loitering Munitions" bekannt – für die Bundeswehr bewilligt. Es ist der Beginn eines Rüstungsprogramms, das in den kommenden Jahren auf ein Gesamtvolumen von bis zu 4,4 Milliarden Euro anwachsen könnte. Deutschland, das Land der ewigen Zauderer in Verteidigungsfragen, scheint endlich aufzuwachen.
Lehren aus dem Ukraine-Krieg
Der Krieg in der Ukraine hat die europäische Sicherheitsarchitektur von Grund auf erschüttert – und mit ihr die gemütliche Illusion, man könne sich hinter diplomatischen Floskeln und Wirtschaftssanktionen verschanzen. Die Schlachtfelder der Ukraine haben unmissverständlich demonstriert, dass relativ kostengünstige Drohnentechnologie verheerende Wirkung entfalten kann. Panzerkolonnen, befestigte Stellungen, Nachschublinien – nichts ist mehr sicher vor den kleinen, tödlichen Fluggeräten, die autonom ihr Ziel suchen und sich dann in es hineinstürzen.
Hinzu kommt ein Phänomen, das europäische Regierungen zunehmend beunruhigt: Mysteriöse Drohnenvorfälle über Dänemark, Polen und auch Deutschland, bei denen unbekannte Flugobjekte den Luftraum verletzen. Wer hinter diesen Vorfällen steckt, bleibt oft im Dunkeln – doch die Nervosität wächst.
Deutsche Startups als Profiteure
Zu den ersten großen Nutznießern des Programms gehören die deutschen Drohnen-Startups Helsing und Stark Defence. Die Preise verdeutlichen, warum diese Technologie als Revolution der Kriegsführung gilt: Eine Helsing-Drohne vom Typ HX-2 kostet rund 44.000 Euro vor Steuern, die Systeme von Stark Defence liegen bei etwa 80.000 Euro pro Stück. Zum Vergleich: Ein moderner Kampfpanzer verschlingt mehrere Millionen Euro. Die Asymmetrie ist frappierend.
Die HX-2 von Helsing hat sich bereits im scharfen Einsatz in der Ukraine bewährt. Rückmeldungen von der Front beschreiben die Drohne als „hochgradig wirtschaftlich" – nicht zuletzt, weil das Unternehmen bei Lieferungen an die ukrainischen Streitkräfte bewusst auf Gewinnmargen verzichtet habe. Mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern, einer Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h und einer Nutzlast von 4 Kilogramm kann die nur 12 Kilogramm schwere Drohne gepanzerte Fahrzeuge und befestigte Positionen angreifen.
Produktionskapazitäten werden massiv hochgefahren
Helsings sogenannte „Resilience Factory" in Süddeutschland produziert derzeit bis zu 450 HX-2-Einheiten pro Monat. Mit zusätzlichem Personal ließe sich die Produktion auf 1.000 Stück monatlich steigern. Eine zweite Fabrik sei bereits in Planung, die den Ausstoß auf rund 2.500 Einheiten pro Monat katapultieren könnte. Man muss kein Militärstratege sein, um zu erkennen: Hier entsteht eine industrielle Drohnenproduktion im großen Stil.
Fiskalische Leitplanken – oder doch nur Augenwischerei?
Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat das Programm immerhin auf eine Milliarde Euro pro Lieferant gedeckelt – ein Versuch, inmitten der rasanten Aufrüstung zumindest den Anschein fiskalischer Disziplin zu wahren. Ob diese Obergrenze angesichts der geopolitischen Dynamik Bestand haben wird, darf bezweifelt werden. Denn wenn die Angst vor russischer Aggression erst einmal die politische Debatte dominiert, werden Haushaltsgrenzen erfahrungsgemäß schnell zur Makulatur.
Und genau hier liegt das Dilemma der neuen Großen Koalition unter Friedrich Merz: Einerseits hat man dem Wähler versprochen, keine neuen Schulden zu machen. Andererseits hat man bereits ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur auf den Weg gebracht und die Verteidigungsausgaben explodieren förmlich. Wer soll das alles bezahlen? Richtig – der deutsche Steuerzahler, dessen Belastungsgrenze längst überschritten scheint.
NATO-Brigade in Litauen als Erstempfänger
Mehrere tausend Drohnen beider Hersteller sollen zunächst bei der deutschen NATO-Brigade in Litauen stationiert werden. Die Idee einer „Drohnenmauer" zum Schutz Europas geistert seit Monaten durch die Korridore des NATO-Hauptquartiers. Der ehemalige CIA-Direktor David Petraeus verwies darauf, dass die Ukraine in dieser Hinsicht bereits am weitesten fortgeschritten sei und als Blaupause dienen könne.
Als rund 20 Drohnen den polnischen Luftraum verletzten, rief Warschau weder Brüssel noch Washington an – sondern Kiew. Die Ukraine zeige, wie man ausgedehnte Frontlinien mit Drohnentechnologie verteidigen könne.
Deutschland reorganisiert derweil Teile seiner Streitkräfte, um dedizierte Drohneneinheiten aufzubauen, die im Ernstfall Schwärme von Kamikazedrohnen gegen feindliche Stellungen einsetzen sollen. Es ist eine stille Revolution der Kriegsführung – und Deutschland ist spät dran, aber immerhin nicht mehr gänzlich abwesend.
Ein überfälliger Schritt – mit bitterem Beigeschmack
Man mag es begrüßen, dass Deutschland endlich seine Verteidigungsfähigkeit ernst nimmt. Jahrzehntelang hat die politische Klasse die Bundeswehr systematisch kaputtgespart, hat Kasernen verrotten lassen und Soldaten mit mangelhafter Ausrüstung in Einsätze geschickt. Dass nun ausgerechnet der Schock des Ukraine-Krieges als Weckruf dienen musste, ist ein Armutszeugnis für die strategische Weitsicht deutscher Regierungen der vergangenen Jahrzehnte.
Gleichzeitig drängt sich die Frage auf, ob die Milliarden nicht besser in die marode Infrastruktur, in Schulen oder in die innere Sicherheit investiert wären – jene innere Sicherheit, die angesichts explodierender Kriminalitätszahlen und täglicher Messerangriffe auf deutschen Straßen dringender denn je gestärkt werden müsste. Doch solche Prioritäten scheinen in Berlin nach wie vor keine Konjunktur zu haben. Man rüstet lieber gegen äußere Feinde auf, während man die inneren Probleme geflissentlich ignoriert.
Die Beschaffung der Kamikazedrohnen ist zweifellos ein notwendiger Schritt zur Stärkung der Landesverteidigung. Aber sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland in vielen anderen Bereichen – von der Grenzsicherung bis zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit – weiterhin dramatisch hinterherhinkt. Aufrüstung allein macht noch keine starke Nation.

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