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16.10.2026
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„Fuck AfD“ im Chefbüro: Bild-Chefin macht Haltung zur Hausordnung

Marion Horn, Chefredakteurin der „Bild“, hat sich offen gegen die AfD gestellt. Dem Mediendienst kress erzählte die 60-Jährige von einem Poster in ihrem Berliner Büro, auf dem „Fuck AfD“ steht. Auf ihrer Linie gegen die Regierung bleibe sie trotzdem, versichert sie. Bleibt die Frage, wie gut das zusammenpasst.

Ein Sportflugzeug, ein Banner, eine Botschaft

Horn schildert das Motiv ziemlich genau: Ein kleines Sportflugzeug zieht ein Werbebanner hinter sich her, und darauf steht der zwei Wörter lange Fluch. Sie fasst es so zusammen:

„Das ist meine Haltung.“

Die Vorsitzende der Chefredaktionen der Bild-Gruppe will auch kein einziges Foto, das sie zusammen mit AfD-Chefin Alice Weidel zeigt. Ob das unjournalistisch sei, hat sie sich im Interview selbst gefragt. Ihre Antwort lautete: „Leider ja.“ Damit gibt sie offen zu, dass sie gegen ein Grundprinzip ihres Berufs verstößt, nämlich Distanz zu allen Seiten zu halten.

Konferenzen unter Generalverdacht

Aufschlussreich ist auch, was Horn über den Alltag in der Redaktion erzählt. Ihren Worten zufolge gibt es keine Konferenz mehr, in der nicht diskutiert werde, ob ein Text so klinge, als wolle man die AfD an der Macht sehen. Die Zeitung sei klar in ihrer Haltung, aber gleichzeitig auch „verunsichert“.

Für ein Blatt, das sich jahrzehntelang als Sprachrohr des kleinen Mannes verstanden hat, ist das ein bemerkenswertes Eingeständnis. Was wird aus der Nachricht, wenn jede Zeile erst daraufhin geprüft wird, wem sie nützen könnte?

Weniger als zehn Prozent AfD-Wähler?

Angst vor wegbrechenden Lesern hat Horn nach eigener Aussage nicht. Befragungen hätten gezeigt, dass sich die Leserschaft auch online fast zu gleichen Teilen auf Union und SPD verteile. Der Anteil der AfD-Wähler liege „deutlich unter zehn Prozent“.

Das ist eine erstaunliche Zahl. Die AfD kommt bundesweit in Umfragen auf bis zu 30 Prozent, und ausgerechnet die größte Boulevardzeitung des Landes soll diese Wähler kaum erreichen? Ob das stimmt oder ob sich viele Leser bei solchen Befragungen einfach bedeckt halten, lässt sich von außen nicht überprüfen.

„Ich will nicht aus Notwehr AfD wählen“

Die Kritik an der schwarz-roten Koalition will Horn nicht abschwächen. Ihre Zeitung solle klar benennen, wo sich Leser und Bürger von der Regierung schlecht bedient fühlen. Für Regierungs-PR sei man nicht da. Sinngemäß hörten sie und ihr Team aus den Zuschriften immer wieder dieselbe Bitte, nämlich weiter hart zu kritisieren, weil die Leute nicht „aus Notwehr AfD wählen“ wollten.

Dieser Satz sagt viel über die Stimmung im Land, und zwar weniger über die Opposition als über die Regierung. Wenn Bürger schon von Notwehr sprechen, ist das vor allem ein schlechtes Zeugnis für die Koalition unter Friedrich Merz und Lars Klingbeil.

Merz, Springer und die Raab-Pointe

Dass zwischen dem Kanzleramt und dem Springer-Verlag gerade Funkstille herrscht, bestätigt Horn indirekt. Merz hat sich mehrfach über die Berichterstattung der Springer-Medien beschwert. Mit ihm selbst habe es deshalb aber kein einziges Gespräch gegeben, sagt Horn. Der Kanzler halte an der „Legende“ fest, von Springer verfolgt zu werden, obwohl das klar dementiert sei. Sie findet das „so absurd“.

Zum Interview-Boykott des Kanzlers erinnert Horn an Stefan Raab, der einst damit groß geworden sei, dass er nicht mit Springer rede. Vielleicht klappe das bei Merz ja auch noch, fügte sie spöttisch hinzu.

Haltung statt Handwerk?

Gegen eine Partei darf jeder Journalist privat sein, auch eine Chefredakteurin. Wer aber ein Poster mit Fäkalsprache zur Leitlinie erklärt und die eigene Befangenheit gleich selbst als „unjournalistisch“ bezeichnet, macht es Kritikern leicht. Für viele Leser wird eine Zeitung nicht durch Bekenntnisse an der Bürowand glaubwürdig, sondern durch faire Berichterstattung, die allen Seiten gleich kritisch begegnet.

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