
KI-Klau im großen Stil? Schwere Vorwürfe gegen Chinas Tech-Giganten

Haben sich Chinas KI-Stars ihren Aufstieg heimlich bei der amerikanischen Konkurrenz abgeschaut? Das US-Unternehmen Anthropic und mehrere US-Sicherheitsbehörden behaupten genau das. Chinesische Entwickler sollen über gefälschte Konten und verschleierte Netzwerke systematisch das Wissen des Sprachmodells Claude abgesaugt haben. Seit Wochen ist das in der Branche das beherrschende Thema.
Ein Vorwurf mit Ansage
Bereits im Februar 2026 erhob Anthropic konkrete Anschuldigungen. Laut dem Unternehmen hätten die Labore DeepSeek, Moonshot und MiniMax über rund 24.000 betrügerische Konten mehr als 16 Millionen Anfragen an Claude gerichtet. Damit hätten sie gegen Nutzungsbedingungen und regionale Zugangssperren verstoßen. In manchen Fällen soll das US-Modell sogar heimlich als technisches Rückgrat für eigene Apps gedient haben.
Im Juli legte US-Finanzminister Scott Bessent nach und warnte vor großangelegter „Destillation“ durch chinesische Firmen. Am 8. September folgte dann der Paukenschlag: NSA, FBI und die Cybersicherheitsbehörde CISA veröffentlichten eine gemeinsame Warnung.
Was steckt hinter „Destillation“?
Das Prinzip klingt harmlos. Ein kleineres Modell lernt aus den Antworten eines stärkeren und imitiert dessen Fähigkeiten. KI-Labore nutzen das routinemäßig, um günstigere Versionen eigener Systeme zu bauen. Brisant wird es erst, wenn Wettbewerber auf diesem Weg fremde Spitzentechnologie anzapfen.
Laut der Behördenwarnung sollen neben den drei genannten Firmen auch Alibaba, StepFun und Z.AI seit mindestens Ende 2024 Milliarden Textfragmente aus US-Modellen extrahiert haben. Betroffen seien Varianten von Claude, GPT, Gemini und Grok. Die Behörden halten es für wahrscheinlich, dass Peking davon wusste. Ihr Kalkül: China spare sich so gewaltige Ausgaben für Rechenleistung, Strom und Grundlagenforschung.
Das Märchen vom Billig-Wunder?
Besonders pikant: Die Warnung stellt laut Medienberichten die vielzitierten Trainingskosten von DeepSeek in Höhe von 5,6 Millionen Dollar infrage. Diese Zahl hatte Anfang 2025 die Börsen erschüttert und Milliarden an Börsenwert bei US-Chipkonzernen vernichtet. Sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre der vermeintliche Effizienz-Coup womöglich zu einem guten Teil geliehen gewesen. Eine unabhängige Bestätigung der Anschuldigungen steht allerdings aus.
Pekings eigentliche Sorge
Ob alles stimmt, ist offen. Ein Analyst bringt jedoch eine überraschende Perspektive ins Spiel. Für Peking gehe es dabei weniger um geistiges Eigentum oder kopierte Modelle. Die größere Sorge der chinesischen Führung dürfte die Datensicherheit sein. Wenn eigene Apps im Hintergrund über amerikanische Server laufen, fließen Nutzerdaten womöglich direkt in die USA. Für einen Staat, der Kontrolle über alles stellt, ist das ein Albtraum.
Die Ironie ist kaum zu übersehen. Ausgerechnet das Land, dem der Westen seit Jahren Datenhunger vorwirft, müsste nun fürchten, selbst ausgespäht zu werden.
Und Deutschland? Schaut wieder nur zu
Während Washington und Peking um die technologische Vorherrschaft ringen, spielt Europa in der Spitzenliga der Sprachmodelle kaum eine Rolle. Brüssel glänzt vor allem mit Regulierung. Die Datenschutzrisiken chinesischer KI-Apps sind hierzulande dabei längst bekannt: Bereits 2025 hatte die Berliner Datenschutzbeauftragte DeepSeek bei Apple und Google als rechtswidrige Inhalte gemeldet.
Der Fall zeigt, wie zerbrechlich technologische Vorsprünge geworden sind. Was Milliarden kostet, lässt sich womöglich über ein paar Tausend gefälschte Konten anzapfen. Für die Bundesregierung sollte das ein Weckruf sein. Wer selbst keine Schlüsseltechnologien entwickelt, bleibt im globalen Machtkampf nur Zuschauer und am Ende auch Datenlieferant.
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