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Kulturkampf ums Geld: Sachsen kürzt bei der Bühne, nicht beim Asyl

Kulturkampf ums Geld: Sachsen kürzt bei der Bühne, nicht beim Asyl
Symbolbild: KI-generiert

Hunderte Sänger, Schauspieler, Tänzer und Regisseure haben am 5. Oktober vor der Dresdner Semperoper gegen Sparpläne der sächsischen Landesregierung demonstriert. Der Freistaat will die Landesförderung für seine Theater und Orchester in den kommenden zwei Jahren spürbar zurückfahren. Viel weniger Aufmerksamkeit bekommt dabei ein anderer Posten im Haushalt, der seit Jahren steil nach oben geht: die Ausgaben für Asylbewerber.

Ein Protest mit Ansage

Auf dem Theaterplatz ging es diesmal nicht um Klima oder Weltpolitik, es ging ums eigene Budget. Die Kulturschaffenden fürchten sinkende Zuschüsse, eingefrorene Gagen und ausbleibende Fördergelder. Medienberichten zufolge hatten sich auch Häuser wie das Theater Plauen-Zwickau beteiligt.

Wirklich überraschend ist das nicht. Deutschlands Bühnen hängen am Tropf der öffentlichen Hand: Rund 82 Prozent ihrer Budgets stammen aus Steuermitteln. Die großen Theater werden meist als Eigenbetriebe von Städten und Ländern geführt, ihre Beschäftigten arbeiten im öffentlichen Dienst, mit allen Sicherheiten, die dazugehören. Wer sich die Kosten mit dem Steuerzahler teilt, spürt jede Kürzung sofort.

Die nackten Zahlen: Was wirklich gestrichen wird

Wie dramatisch ist der Einschnitt? Semperoper, Oper Leipzig und Gewandhausorchester laufen über eigene Finanzierungswege und sind nicht Teil dieser Rechnung. Die übrigen Theater, Opernhäuser und Orchester im Freistaat erhalten 2026 zusammen etwa 14,6 Millionen Euro an institutioneller Förderung vom Land.

Nach den Plänen sinkt der Betrag 2027 auf knapp 13,7 Millionen Euro und 2028 auf rund 12,9 Millionen Euro. Gegenüber 2026 wären das Kürzungen von etwa 6,3 beziehungsweise 10,1 Prozent. Bei steigenden Kosten tut das weh, keine Frage. Getroffen werden unter anderem diese Häuser:

  • Theater Chemnitz
  • Theater Plauen-Zwickau
  • Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau
  • Mittelsächsisches Theater Freiberg-Döbeln
  • Landesbühnen Sachsen

Das Ende der Kultur ist das aber nicht. Es ist eher ein Weckruf.

Leere Ränge: Selbst verschuldet?

Kritiker halten den Häusern seit Langem vor, sie hätten sich vom eigenen Publikum entfernt. Statt Klassiker werkgetreu und mitreißend auf die Bühne zu bringen, setze das sogenannte Regietheater auf Provokation, politische Belehrung und Bearbeitungen, die mit dem Original kaum noch etwas zu tun hätten. Gerade das Bildungsbürgertum, das traditionell die Säle füllt, fühle sich dadurch verprellt.

Ein Blick auf die Spielpläne liefert Beobachtern Argumente. In Plauen-Zwickau läuft derzeit „Jeeps“, eine Gesellschaftssatire über Erbschaften und Vermögensverteilung, dazu kommt eine Lesung über Opfer rechtsextremer Gewalt. An den Landesbühnen steht Brechts marxistisches Lehrstück „Der kaukasische Kreidekreis“ auf dem Programm. Ob man damit neue Zuschauer gewinnt? Daran darf man zweifeln. Wer weniger Geld vom Staat bekommt, muss eben mehr Karten verkaufen.

Wo das Geld tatsächlich bleibt

Bleibt die entscheidende Frage: Warum muss Sachsen überhaupt so hart sparen? Neben den hohen Personalausgaben des Landes fällt vor allem ein Posten auf. Die Leistungen für Asylbewerber summierten sich laut dem Bericht 2025 auf 512 Millionen Euro, das sind 84 Prozent mehr als 2021. Allein die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Ausländer kostete demnach rund 70 Millionen Euro.

Zum Vergleich: Die gesamte Kürzung bei den Bühnen beträgt bis 2028 nicht einmal zwei Millionen Euro pro Jahr. Für viele Bürger zeigt das, wie einseitig die Prioritäten gesetzt werden. Bei Kultur, Bildung und Infrastruktur wird gespart, während die Folgekosten einer Migrationspolitik, die Berlin über Jahre nicht in den Griff bekommen hat, die Landeshaushalte immer stärker belasten.

Die unbequeme Wahl für die Kulturszene

Damit steckt die Kulturszene in einem Dilemma, das ihr nicht gefallen dürfte. Viele ihrer Vertreter haben sich in der Vergangenheit politisch klar für eine offene Migrationspolitik ausgesprochen. Nun bekommen sie die finanziellen Folgen zu spüren.

Wer dauerhaft mehr Geld für Oper und Theater fordert, kommt um eine ehrliche Debatte über die Ausgaben im Asylbereich kaum herum. Sonst bleibt am Ende nur, die Kürzungen hinzunehmen. Der Vorhang für diese Debatte ist in Sachsen jedenfalls aufgegangen.

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