
Spionage-Beben beim BND: Ex-Geheimdienstchef Hanning in Haft!

Er sollte einst Deutschlands Geheimnisse hüten. Jetzt sitzt er selbst in Haft. Am Dienstagmorgen nahmen BKA-Ermittler den früheren BND-Präsidenten August Hanning (80) in seinem Haus in Nordwalde bei Münster fest. Die Bundesanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen versuchten Landesverrats und geheimdienstlicher Agententätigkeit. Für Hanning gilt die Unschuldsvermutung.
Zur selben Zeit wurde in Oberbayern Manfred D. festgenommen, Hannings langjähriger Vertrauter und früherer Büroleiter. Gegen ihn erließ ein Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof Medienberichten zufolge bereits Haftbefehl wegen Beihilfe.
2.000 Dokumente aus dem Allerheiligsten
Laut Bundesanwaltschaft soll D. seinem früheren Chef zwischen 2010 und Juni 2022 rund 2.000 interne Unterlagen beschafft haben, wie berichtet wird gegen Geld. Viele davon waren demnach als Verschlusssache eingestuft und für Lagebesprechungen von Spitzenbeamten im Kanzleramt gedacht.
Den Berichten zufolge ging es um hochsensible Themen wie das iranische Atomprogramm und die russische Armee. Auch Erkenntnisse ausländischer Partnerdienste sollen darunter gewesen sein. Für jeden Geheimdienst ist das der schlimmste Fall: Wer die Informationen seiner Partner nicht schützen kann, bekommt bald keine mehr.
Hanning soll das Material laut Ermittlern „gewinnbringend“ für seine private Beratertätigkeit genutzt haben. D. war von März 2012 bis März 2026 Büroleiter mehrerer BND-Präsidenten und hatte damit direkten Zugang zu diesen Unterlagen.
Welcher fremde Dienst steckt dahinter?
Der heikelste Punkt ist noch ungeklärt. Die Bundesanwaltschaft spricht Berichten zufolge von einem „intensiven Austausch“ Hannings mit dem Angehörigen eines ausländischen staatlichen Nachrichtendienstes. In einem weiteren Fall soll Hanning für einen Mitarbeiter eines fremden Sicherheitsapparats eine Analyse verfasst haben.
Welches Land gemeint ist, sagen die Ermittler nicht. Nach Medieninformationen soll es nicht Russland sein. Auch Geschäfte von Hannings Beratungsfirmen mit Bezug zu Russland und China sind bisher nur Thema von Recherchen und nicht Teil des Haftvorwurfs. Wer daraus schon einen Verkauf von Geheimnissen an Moskau oder Peking macht, geht über die bekannten Fakten hinaus.
Zufallsfund im Fall Block
Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch einen ganz anderen Fall. Hamburger Ermittler verdächtigen Hanning, an einer gescheiterten Entführung der Kinder der Unternehmerin Christina Block im November 2022 in Dänemark beteiligt gewesen zu sein. Hanning bestreitet das entschieden.
Bei einer Durchsuchung im September 2025 fanden Beamte jedoch Material, das den Spionageverdacht auslöste. Im Mai 2026 übernahm die Bundesanwaltschaft das Verfahren. Ein privater Sorgerechtsstreit könnte damit zu einem der größten Spionagefälle der Bundesrepublik geführt haben.
Zwölf Jahre, und niemand merkte etwas?
BND-Präsident Martin Jäger betonte, sein Haus habe „frühzeitig und unverzüglich“ interne Ermittlungen eingeleitet:
„Für den BND und mich gibt es bei der internen Sicherheit keine Kompromisse.“
Trotzdem bleibt eine Frage offen: Wie konnte ein Pensionär mehr als zehn Jahre lang Papiere bekommen, die für das Kanzleramt bestimmt waren? Berichten zufolge sorgte Hannings Beratertätigkeit in Sicherheitskreisen schon lange für Unmut. Gehandelt wurde offenbar erst spät.
Marc Henrichmann (CDU), Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums, sieht darin einen Beweis, dass der Rechtsstaat handlungsfähig ist. Roderich Kiesewetter (CDU) fordert strengere Sicherheitsüberprüfungen. Konstantin von Notz (Grüne) kritisiert seit Jahren Lobbyjobs ehemaliger Spitzenbeamter.
Mehr Macht, aber wer kontrolliert?
Der Zeitpunkt ist heikel. Ein neues Gesetz soll BND und Verfassungsschutz deutlich mehr Befugnisse geben, Kritiker bemängeln weniger Kontrolle. Schon Ende 2022 war ein BND-Referatsleiter festgenommen worden, der Dokumente an den russischen FSB weitergegeben haben soll.
Für viele Bürger bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Wer mehr Rechte gegenüber dem Bürger fordert, sollte zuerst zeigen, dass er seine eigenen Geheimnisse schützen kann. Bis zu einem Urteil gilt aber: Hanning ist nicht verurteilt, und sein Anwalt hat sich bisher nicht inhaltlich geäußert.












