
Tanker in Flammen, Öl im Sinkflug: Irans gefährliches Doppelspiel

In der Straße von Hormus ist am späten Montagabend ein Supertanker getroffen worden. Mutmaßlich steckt der Iran hinter dem Angriff. Nur einen Tag später ließ ein diplomatisches Signal aus Katar die Ölpreise trotzdem wieder fallen. Nach sieben Monaten Krieg schwankt die Welt zwischen Eskalation und Hoffnung auf eine Einigung, und die Energiemärkte machen jede Wendung mit.
Feuer an Bord und eine unmissverständliche Drohung
Laut der britischen Seeüberwachung UKMTO traf ein unbekanntes Geschoss einen sogenannten Very Large Crude Carrier, also einen der größten Öltanker der Welt. An Bord brach ein Feuer aus. Die Besatzung konnte es offenbar schnell löschen, niemand wurde verletzt, und das Schiff setzte seine Fahrt fort.
Ob das nur eine Warnung war? Beobachter rechnen eher damit, dass jetzt wieder regelmäßig ausländische Schiffe angegriffen werden. Die Gespräche bei den Vereinten Nationen in der vergangenen Woche haben nämlich nichts gebracht. Irans Parlamentspräsident Bagher Ghalibaf legte am Dienstag nach, wie iranische Staatsmedien berichten:
"In einer Region, in der wir kein Öl verkaufen, wird niemand Öl verkaufen."
Wenn die Sicherheit seines Landes nicht garantiert sei, werde keine Infrastruktur sicher sein, fügte Ghalibaf hinzu. Die Zeit der Einschüchterung sei vorbei.
Die zweite Meerenge im Visier
Noch mehr Sorgen macht Fachleuten eine Aussage von Generalmajor Yahya Rahim Safavi, einem Berater des Obersten Führers. Er sagte, die Streitkräfte seien bereit, den Konflikt auf neue Fronten auszuweiten. Wenn die Meerenge Bab al-Mandab hinzukomme, würde das „das Bild des Krieges verändern“. Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen haben die jemenitische Küste am Roten Meer inzwischen unter ihre Kontrolle gebracht.
Durch das Nadelöhr Bab al-Mandab läuft der Seeweg zum Suezkanal, also die wichtigste Handelsroute zwischen Asien und Europa. Die Huthis betonen bisher, dass internationale Schiffe weiterhin sicher durchfahren könnten. Ausgenommen seien Schiffe mit Verbindungen zu Saudi-Arabien oder Israel. Für deutsche Exporteure und Importeure wäre eine Sperrung trotzdem ein Albtraum.
Irans Druckmittel verliert an Wirkung
Dabei läuft es für Teheran militärisch offenbar nicht mehr so gut. Das Wall Street Journal beruft sich auf mehrere Analysefirmen: Die US-Marine und die Ölstaaten am Golf wehren iranische Angriffe inzwischen besser ab oder weichen ihnen aus. Nach Angaben des Datenanbieters Kpler erreichten die Lieferungen durch Hormus und über Ausweichrouten zuletzt knapp 80 Prozent des Niveaus vor dem Krieg.
Der Schiffstracker Huax meldet für diesen Monat Rohölexporte von fast 13 Millionen Barrel pro Tag aus Saudi-Arabien, dem Irak, den Emiraten und anderen Förderländern. Das ist der höchste Wert seit Februar, als die Region noch fast 19 Millionen Barrel täglich ausführte. Genau dieser Trend könnte das Regime zu neuen Angriffen verleiten.
Diplomatie mit vielen Widersprüchen
Katars Außenamtssprecher Majed al-Ansari sagte, die Vermittler würden weiter Botschaften zwischen Washington und Teheran austauschen und mögliche Lösungen besprechen. Die Ölsorte WTI fiel daraufhin prompt auf ihr Tagestief. Außenminister Abbas Araghchi erwartet eine Antwort der USA über Katar. Gleichzeitig bestreitet er, dass Teheran von seiner Linie abrückt. Über das Atomprogramm sei nicht einmal gesprochen worden, „geschweige denn über Flexibilität“.
Ein iranischer Abgeordneter wirft den USA vor, blockierte Gelder aus der sogenannten Islamabad-Vereinbarung nicht freigegeben zu haben. Donald Trump wies einen Medienbericht zurück, nach dem er Sanktionserleichterungen angeboten haben soll. Er habe dem Iran „NICHTS“ angeboten, schrieb der Präsident. Unterdessen erreicht der iranische Rial einen neuen Tiefstand: Für einen Dollar zahlen Händler in Teheran mehr als 2,5 Millionen Rial.
Was das für deutsche Sparer bedeutet
Katar warnt bereits, dass der Winter die Energiekrise verschärfen werde. Für Deutschland, das nach dem Abschied von der Kernkraft besonders stark von Energieimporten abhängt, ist das eine bittere Aussicht. Die Ölpreise schwanken im Takt einzelner Meldungen, Diplomaten widersprechen sich gegenseitig, und die Papierwährung einer Regionalmacht verliert immer schneller an Wert.
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Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt die volle Verantwortung für seine Anlageentscheidungen.

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