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Kettner Edelmetalle
28.07.2026
05:32 Uhr

Trump lobt Erdogan, düpiert Netanjahu: Washingtons neue Nahost-Arithmetik

Es sind Sätze, die in Jerusalem wie Sandpapier auf offener Wunde wirken dürften. Weniger als 24 Stunden vor dem angekündigten Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus stellte sich US-Präsident Donald Trump an Bord der Air Force One den Fragen mitreisender Journalisten – und ließ dabei keinen Zweifel daran, wer in dieser Beziehung die Bedingungen diktiert.

„Niemand sagt mir, was wir verkaufen dürfen"

Auslöser war die seit Jahren offen vorgetragene Ablehnung Netanjahus gegen einen möglichen Verkauf von F-35-Kampfjets an die Türkei. Trumps Antwort fiel schroff aus: Niemand schreibe ihm vor, was die Vereinigten Staaten verkauften oder nicht verkauften. Die Türkei sei ein hervorragender Verbündeter gewesen. Und dann jener Nachsatz, der die eigentliche Sprengkraft entfaltete: Die Türkei sei kein großer Freund Israels und schon gar nicht von „Bibi" – aber für ihn, Trump, sei Ankara großartig gewesen.

„Wir sind sehr nett zu vielen Ländern, die ohne uns nicht überleben würden. Wissen Sie, wer ohne uns nicht überleben würde? Israel."

Man muss sich diese Aussage auf der Zunge zergehen lassen. Im selben Atemzug, in dem der US-Präsident einräumt, dass Ankara ein erbitterter Gegenspieler Jerusalems ist, adelt er die Türkei als Musterverbündeten – und erinnert Israel öffentlich an seine Abhängigkeit von amerikanischer Unterstützung. Diplomatie sieht anders aus. Machtpolitik allerdings genau so.

Der F-35-Streit: Ein Konflikt mit langer Vorgeschichte

Wer den Vorgang einordnen will, muss zurückblicken. Die Türkei war ursprünglich Partnerland im F-35-Programm, produzierte Komponenten, hatte Maschinen bestellt. 2019 flog Ankara aus dem Programm – wegen des Kaufs russischer S-400-Luftabwehrsysteme. Washington fürchtete, Moskau könne über die russische Radartechnik Erkenntnisse über die Tarnkappenfähigkeiten des Jets gewinnen. Seither ist die Frage ein Dauerreizthema zwischen zwei NATO-Partnern, die sich gegenseitig misstrauen wie zwei Nachbarn mit Streit um denselben Grenzstein.

Bereits beim jüngsten NATO-Gipfel in Ankara hatte Trump durchblicken lassen, dass er einer Freigabe nicht abgeneigt sei. Dass ein solcher Schritt im US-Kongress auf massiven Widerstand stoßen dürfte, scheint ihn wenig zu beeindrucken. Man kennt das Muster: erst die Ansage, dann das Ringen um die Umsetzung.

Erdogan als Gewinner – vorerst

Für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist die Rückkehr ins F-35-Programm ein Prestigeprojekt ersten Ranges. Seit Monaten liefert er sich mit israelischen Regierungsvertretern einen zunehmend giftigen verbalen Schlagabtausch, gespickt mit kaum verhüllten Drohungen. Dass ausgerechnet in dieser Lage der amerikanische Präsident Ankara demonstrativ umarmt, wird in Israel als schallende Ohrfeige empfunden – und dürfte auch so gemeint sein.

Und der Iran? Trump verhandelt, Israel schäumt

Auch beim Thema Iran zeichnen sich Risse ab. Zwar erklärte Trump, man liege mit Israel im Grundsatz nah beieinander, es gebe nur „einen kleinen Unterschied". Doch dieser Unterschied ist der entscheidende: Teheran wolle Gespräche, man treffe sich, es bestehe die Chance auf eine Einigung – und ohne das amerikanische Vorgehen würde der Iran überhaupt nicht reden. In Jerusalem wiederum gilt jede Verhandlungslösung, die das iranische Atomprogramm nicht vollständig demontiert, als Kapitulation auf Raten.

Schon nach einem Telefonat Anfang Juli hatte Trump gegenüber US-Medien mit spitzer Zunge angemerkt, man verstehe sich gut, Netanjahu wisse schließlich, wer der Chef sei. Wer glaubt, dies sei nur eine Marotte, verkennt die Botschaft: Washington sortiert seine Bündnisse neu – nach Nützlichkeit, nicht nach Sentimentalität.

Was das für Europa bedeutet

Und Deutschland? Berlin schaut zu, wie immer. Während in Washington und Ankara über Kampfjets, Atomprogramme und regionale Vormachtstellungen verhandelt wird, beschäftigt sich die Bundesregierung mit Sondervermögen in dreistelliger Milliardenhöhe, Klimazielen im Grundgesetz und der Frage, wie man Schuldenaufnahme rhetorisch als Investition verkauft. Außenpolitisches Gewicht? Fehlanzeige. Wer in der Weltpolitik nicht mehr am Tisch sitzt, steht bekanntlich auf der Speisekarte.

Für Anleger ist die Lektion eine andere, aber eine altbekannte: Wenn sich geopolitische Achsen verschieben, wenn Bündnisse über Nacht neu bewertet werden und Machtworte über Milliardengeschäfte entscheiden, dann steigt jene Unsicherheit, die Papierwerte nervös macht. Physisches Gold und Silber kennen keine Bündnistreue, keine Kongressmehrheit und keinen Präsidenten, der seine Meinung an Bord eines Flugzeugs ändert. Sie liegen im Tresor – und tun genau das, was sie seit Jahrtausenden tun.

Haftungsausschluss

Dieser Beitrag stellt ausdrücklich keine Anlageberatung dar. Die geäußerten Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfältige Recherche und gegebenenfalls die Hinzuziehung eines qualifizierten Beraters. Für Vermögensdispositionen und deren Folgen trägt jeder Anleger die alleinige Verantwortung. Eine Haftung für Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

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